Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) hat vor den Folgen eines Sparkonzertes vor allem in Ostdeutschland gewarnt. Viele Orchester mit Haustarifen seien überaltert, sagte DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens im dpa-Interview.

Frage: Bei den Orchestern hat seit der Wende oft der Rotstift den Taktstock ersetzt. Wie sieht das Sparkonzert in Zahlen aus?

Antwort: Von den 37 Kulturorchestern, die seit 1992 von der Landkarte durch Fusionen, Auflösungen oder Insolvenzen verschwunden sind, waren acht in den alten und 29 in den neuen Bundesländern inklusive Berlin betroffen.

Frage: Welche Institutionen sind aktuell gefährdet?

Antwort: Gefährdet sind die Theater und Orchester in Halle und Dessau durch massive Kürzung der Landesmittel. Beim Volkstheater Rostock und der Norddeutschen Philharmonie hängt die Gefährdung mit dem Ausbleiben einer Entscheidung über einen Theaterneubau sowie dem Austritt der Theater GmbH aus dem kommunalen Arbeitgeberverband und dem Deutschen Bühnenverein zusammen. Mecklenburg-Vorpommern will seine Orchesterreform in Neubrandenburg, Neustrelitz, Greifswald und Stralsund weiter umsetzen.

Frage: Welche Auswirkungen hat der Sparkurs?

Antwort: Der Frust in Orchestern, die in der Vergangenheit fusioniert, auf Vergütung verzichtet haben und dann drastisch verkleinert wurden, ist besonders groß. Viele Orchester in den neuen Bundesländern mit Haustarifen sind strukturell überaltert, da immer weniger junge Musiker auf den paar noch zwingend zu besetzenden Stellen eingestellt wurden. Dadurch steigt der Krankenstand in den Orchestern.

Frage: Wie sehen die Vorstellungen des DOV zur Zukunftssicherung der Orchester aus?

Antwort: Die Kommunen müssen vor allem von ständig steigenden Sozialhilfekosten entlastet werden, damit sie wieder für Kulturausgaben handlungsfähiger werden. Die Länder dürfen kommunale Entschuldungsprogramme nicht zu Lasten der Kultur durchsetzen. Die flächendeckende Schuldenbremse ab 2019 darf nicht zu erneuten Einschnitten in die Kulturhaushalte von Ländern und Kommunen missbraucht werden. Und: Die Theater und Orchester selbst müssen dem steigenden Legitimationsdruck durch attraktive Spielpläne, verbessertes Marketing, möglichst hohe Auslastungen und breite Vermittlungsangebote entgegentreten.