Wernigerode l Uwe Lagatz ist sich ganz sicher: "Keine Frage, der Schroeder mochte den Brocken. Doch nicht jene Menschen, die auf den Harzgipfel zogen, bloß um der damaligen Mode wegen sagen zu können, auch sie waren dort."

Der Wernigeröder Christian Friedrich Schroeder hat 1785 die erste Brockenmonographie veröffentlicht. In Dessau war seine "Abhandlung vom Brocken und dem übrigen alpinischen Gebürge des Harzes" gedruckt worden. Dieses Brockenbuch bündelt das Wissen seiner Zeit über den Berg. Der Wernigeröder Historiker Lagatz sagte im Volksstimme-Gespräch: "Es gab vor Schroeder kein Buch, das alles Wissen so zusammengefasst hat, ergänzt um profunde Ortskenntnis und aus eigenen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnissen."

Der 1750 geborene Autor sei seinerzeit der eifrigste Brockenwanderer gewesen. Mindestens 40Mal, so Lagatz, ist sein Name im Gästebuch des Wirtshauses auf der Heinrichshöhe verzeichnet. Bis zum 34.Lebensjahr habe er den Brocken "mehr denn einige 30mal bestiegen", schreibt Schroeder selbst.

Auf die heutige Zeit übertragen bezeichnet Lagatz ihn als den "Brocken-Benno des 18.Jahrhunderts". Bereits zu dieser Zeit war der Brocken schwer in Mode. Wer in den Harz reiste und etwas auf sich hielt, musste auf den weithin zu sehenden Berg hinauf.

Doch das war beschwerlich und ohne kundige Reiseführer nahezu unmöglich. Darum riet Schroeder Touristen, die mit eigener Kutsche anreisten, wegen schmalerer und oft schlechter Wege auf die Kutschen der Heimischen umzusteigen. "Er hat quasi dringend geraten, für die Brockenreise einen Jeep zu nehmen", sagt Lagatz mit einem Schmunzeln.

Der Autor war der "Brocken-Benno" des 18. Jahrhunderts

Das Werk ist dabei weit mehr als bloßer Reiseführer: Auch zur Entstehung des Gebirges und seinem geologischen Aufbau, zu Klima, Kultur und Wirtschaft des Harzes gibt die 295-seitige Abhandlung umfassend Auskunft. Bereits 1790 erschien ein zweiter Band, in dem sich Schroeder mit Fragen und Anregungen zum ersten Buch beschäftigt, ergänzt um neue Brocken-Erkenntnisse.

Uwe Lagatz hat das inzwischen seltene Werk wiederentdeckt und einen Nachdruck angeregt. Der Wernigeröder Schmidt-Buch-Verlag hat den "Schroeder" digitalisiert, retuschiert und beide Teile in einem Werk veröffentlicht, inklusive einem Nachdruck jener historischen Karte, die bereits seinerzeit zu dem Band gehörte.

Buchpremiere für den Reprint ist am heutigen Donnerstag um 18.30Uhr in der Harzer Nationalparkverwaltung in der Wernigeröder Lindenallee 27