Magdeburg l Es soll laut mathematischen Berechnungen wohl das Klavierkonzert mit den meisten Noten pro Sekunde im Klavierpart sein. Dabei komponierte Rachmaninow sein 3. Klavierkonzert d-Moll 1909 speziell für eine Amerikatournee in nur ein paar Sommerwochen. Doch selbst Rachmaninow, für den technische Probleme in seinen Werken quasi nicht existierten, übte dennoch während der Überfahrt nach Amerika seinen Solopart auf einer stummen Klaviatur und betitelte es eigens als "Stück für Elefanten".

Vielleicht hat sich der Solist Jeffrey Biegel an Rachmaninows eigener kultivierter Einspielung orientiert. Biegel spielte das über vierzig minütige Werk nicht nur auswendig, sondern vor allem in einer Interpretation, bei der er seine imposante Technik mit sensibler Weichheit und deutlicher Dynamik paarte.

Die beginnende wunderbar schlichte Melodie ging Biegel sensibel an, jedoch alsbald deutlich fließend und vorwärtsdrängend. Dabei kam dem Orchester weit mehr als nur die Begleitfunktion zu, das machten die Musiker der Magdeburgischen Philharmonie mit konzentrierter und charakterisierender Spielweise deutlich, allen voran die Holzbläser mit ihren verschiedenen kammermusikalisch anmutenden Parts, die mit den Intentionen des Solisten klanghomogen verschmolzen. Und Kimbo Ishii vermittelte zwischen ihnen mit seinem Dirigat.

Die wilde energiegeladene Kadenz Biegels, perlige oder sich chromatisch windende Melodieläufe und halsbrecherische und vollgriffigste Akkordik imponierten, ohne Rachmaninows leise Töne zu missachten. Denn diese zu deuten, darin liegt das Geheimnis eines solchen Konzertes.

Wie sehnsuchtsvoll beginnt das Orchester das Intermezzo, wie präsent klar ist die Solo-Oboe, die Klarinette und die anderen Holzbläserkollegen unterstützten sie, die Bratschen schließlich harmonisch wichtig und führend, erst später steigt der Solist ein, sehr zirzenisch, zwischen romantischer Träumerei und Ekstase.

Bemerkenswerte Unisono-Hörner mit Fagottbegleitung drängten, Trompetensignale leiteten die tänzerische fast kämpferische Überleitung zum Finale ein, der Solist führte deutlich in Thematik und Fluss des Geschehens bei durchdachter Tongebung auf dem warm klingenden Steinway-Flügel, Kimbo Ishii immer suggestiv und auf die Charaktere Acht gebend, bevor der harmonische "Kampf der Giganten" im Finale in einer homophonen Einigkeit im Dur gipfelte.

Obwohl Jeffrey Biegel für jeden die Zwischentöne Rachmaninows klar zutage gefördert hat, ist er in diesem Falle dem individuellen Anspruch unterlegen. Der Pianist ließ sich bei trampelndem Applaus nicht lange um zwei Zugaben bitten.

Mit der 3. Sinfonie in F-Dur von Johannes Brahms im zweiten Konzertteil ging es im begonnenen Brahms-Zyklus weiter - mit kraftvoller Eleganz. Es war ein Fest für die hervorragende Soloklarinette, für das Orchester als homogenes Ensemble, das das Changieren zwischen Dur und Moll als Hauptrolle dieser Sinfonie Oscar-reif machte. Die innere Ruhe Kimbo Ishiis baute eine geheimnisumwobene und friedvolle Spannung bis zuletzt.