Maximilian Schell war einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Schauspieler. Die Verleihung des Oscars vor 50 Jahren prägte sein Leben. Aber Schell hatte viele Seiten.

Innsbruck (dpa) l Mit Schal und großer Geste inszenierte sich Maximilian Schell gern als Suchender. "Ich habe eigentlich gar keinen Beruf. Ich wandere durch das Leben und durch alle Bereiche der Kunst." Schell war mehr als der Oscar-prämierte, in Hollywood erfolgreiche Weltstar. Er war Opern- und Filmregisseur, Dokumentarfilmer, Musiker, Maler, Bühnenautor.

Der 1930 in Wien geborene Charmeur mit Schweizer Pass liebte das Leben und die Liebe. Erst vor fünf Monaten heiratete Schell die 47 Jahre jüngere Sopranistin Iva Mihanovic. Sie war an seiner Seite, als er - gerade genesen von einer Lungenentzündung - in der Nacht zum Sonnabend an den Folgen einer Rückenoperation erlag.

Der Oscar machte ihn zum Weltstar

Der Weltbürger und Philanthrop war gern auf der Familien-Alm in Kärnten. Hier hat er seine Kindheit verbracht. Die Familie war 1938 vor den Nazis in die Schweiz geflohen. Die Mutter war Schauspielerin, der Vater Schriftsteller. Von ihnen hat Schell die Werte, die er lebenslang als wertvoll erachtete: Freiheit und Fantasie.

Schell wurde einer der wenigen Mimen, die sowohl in Europa als auch in den USA erfolgreich waren. Für die Rolle des Verteidigers in dem Gerichtsdrama "Das Urteil von Nürnberg" erhielt er 1962 einen Oscar. Er war der erste deutschsprachige Schauspieler nach dem Zweiten Weltkrieg, dem diese Ehre zuteil wurde.

Der US-Filmpreis machte ihn zum Weltstar und trieb seine Hollywood-Karriere voran. Es folgten viele Filme, unter anderem "Topkapi" (1964), "The Deadly Affair" (Anruf für einen Toten, 1967) und "Counterpoint" (Der Befehl, 1967). 1998 stand er für den Hollywoodstreifen "Deep Impact" vor der Kamera. Doch sein Herz schlug immer fürs Theater. Ruhm erntete er 1963 für seinen "Hamlet". In Salzburg überzeugte er als "Jedermann". "Er war einer der überzeugendsten und besten Darsteller dieser Rolle", würdigte ihn Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler.

Verbindung zur großen Welt des Films hatte Schell bis zuletzt. Hollywoodschauspielerin Angelina Jolie ist seine Patentochter. "Ich hatte Angelina als kleines Mädchen auf dem Arm. Aber das ist Erinnerung", erzählte Schell gern. Sein Privatleben bot stets genügend Stoff auch für den Boulevard. Drei Jahre war er mit Soraya zusammen, der Gattin des letzten Schahs von Persien.

Interviews mit Marlene Dietrich

Lange lebte Schell abwechselnd in Los Angeles und auf seiner Alm in Kärnten. Die Verbindung über den Atlantik hatte er in der Zeit der Bush-Regierung gekappt. "Es war nicht mehr das freie und kreative Land, das ich kannte." Zuletzt war er als Ehrengast zu einer Feier anlässlich von 50 Jahren "Das Urteil von Nürnberg" in den Staaten.

Am Herzen lagen Schell seine Dokumentationen. Er war der Einzige, der die extrem zurückgezogene Marlene Dietrich zu Interviews überreden konnte. Seine Dokumentation "Marlene" schnitt er aus vielen Stunden Tonband-Interview.

Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen wandte sich Schell auch der Oper zu. In Los Angeles inszenierte er auf Einladung von Placido Domingo 2001 Wagners "Lohengrin" und 2005 Richard Strauss\' "Rosenkavalier". Neugier trieb ihn an. Für Überraschungen des Lebens sei er immer offen, kokettierte er. Aber er hatte zumindest in einer Hinsicht auch sehr präzise Vorstellungen: "Ich weiß immer genau, was ich nicht will."