"Jugend musiziert" - Wettbewerb und Konzert

202 Teilnehmer treten beim Landesausscheid in Sachsen-Anhalt an. Jeder hat sich mit einer Mindestpunktzahl bei einem Regionalwettbewerb qualifiziert (Altmark, Magdeburg, Dessau, Halle). Insgesamt starteten dort 669 Kinder und Jugendliche.

10 bis 27 Jahre alt sind die Teilnehmer im Landeswettbewerb. Die meisten kommen aus Halle und Magdeburg.

Am häufigsten unter den 29 Instrumenten ist das Klavier vertreten, gefolgt von Violine und Trompete.

Ins Bundesfinale kommt, wer mindestens 23 von 25 Punkten erreicht.

Die Jury besteht aus Universitäts-, Schul- und Musikschullehrern.

Veranstalter des Landeswettbewerbs ist der Landesmusikrat.

Termine sind im März in Dessau, Wittenberg und Magdeburg. Der Bundeswettbewerb folgt im Juni in Wolfenbüttel.

Einige Teilnehmer, die zum Landeswettbewerb delegiert worden sind, werden im Rahmen des Preisträgerkonzertes am Sonntag Ausschnitte aus ihrem Wettbewerbsprogramm vorstellen.

Der Eintritt zum Preisträgerkonzert ist frei.

Magdeburg l Mit fünf lieben die meisten Mädchen Barbypuppen oder Pferde-Filme. Bei Toni Pohl war es damals Schumanns "Erster Verlust". Den Anfang hat sie sich einfach selbst beigebracht - damit ihre Klavierlehrerin ihr endlich glaubt, dass sie schon alt genug dafür ist. "Ein Wunder" nannte das die Pädagogin. Heute ist Toni 17. Ihre Leidenschaft hat sie sich bewahrt.

Zwei Stunden lang sitzt sie jeden Tag an ihrem schwarzen Zimmermann-Klavier und übt, vor Wettbewerben noch länger. Dann nimmt sie auch zwei- statt einmal pro Woche Unterricht am Magdeburger Telemann-Konservatorium. Dazu kommen Hausaufgaben und die Büffelei für Klassenarbeiten, denn nächstes Jahr will die Blondine ihr Abitur machen. Da müssen Barbesuche mit Freundinnen und ein Kinoabend mit ihrem Liebsten schon akribisch eingeplant werden.

Doch der Stress macht ihr nichts aus: "Ich will ja was erreichen", sagt Toni mit einer Mischung aus erwachsenem Ehrgeiz und mädchenhafter Träumerei. Gelungen ist ihr das schon einige Male - auch im deutschlandweiten Vergleich. Zwei Förderpreise beim Carl-Schröder-Wettbewerb und einen beim Bachwettbewerb hat die Magdeburgerin geholt, beim Bundesausscheid von "Jugend musiziert" wurde sie einmal Zweite und einmal Dritte.

Hinzu kommen jede Menge Preise auf regionaler und Landesebene. Ihre Urkunden aus den 13 Jahren, in denen sie jetzt am Klavier sitzt, hat sie alle abgeheftet. Mit Daumen und Zeigefinger zeigt Toni eine Spanne so hoch wie der Buchrücken eines 800-Seiten-Wälzers. "Ich habe zwei Ordner. Jeder ist so dick", erzählt sie stolz.

Doch die 17-Jährige will noch viel weiter kommen. Sie möchte Konzertpianistin werden und große Säle füllen - zum Beispiel das Leipziger Gewandhaus. Wenn sie an den riesigen Bau mit 1900 Plätzen denkt, gerät sie ins Schwärmen: "Das Ambiente und die Akustik sind einfach beeindruckend!"

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Nach dem Abi braucht sie erst einmal einen Studienplatz, ihre Favoriten sind Leipzig und Berlin.

Nicht nur ihr Berufswunsch treibt Toni Pohl jeden Tag aufs Neue an. Es ist auch das, was sie empfindet, wenn sie auf ihrem Hocker sitzt. In Worte fasst sie es so: "Wenn ich Klavier spiele, tauche ich mit meinem Kopf in eine andere Welt ein." Am besten funktioniert das bei Stücken von Brahms. "Die sind so facettenreich: mal gefühlvoll, dann wieder aufbrausend."

Mit ihrer Leidenschaft hält Toni Pohl sogar eine Frau von der Rente ab: Ihre Klavierlehrerin ist mittlerweile 70. Doch für die 17-Jährige kommt sie noch immer einmal pro Woche ans Konservatorium.

Das öffentliche Abschlusskonzert des Regionalwettbewerbs "Jugend musiziert" ist am Sonntag, 9. Februar, um 11 Uhr im Opernhaus Magdeburg.