Die Regisseurin Feo Aladag

Geboren am 13. Januar 1972 in Wien

Aladag arbeitete als Journalistin und schrieb Drehbücher für Fernsehfilme.

Ihr Debütspielfilm "Die Fremde" - ein "Ehrenmord"-Drama - sorgte 2010 für Aufsehen.

"Zwischen Welten" ist ihr zweiter Spielfilm. Sie führte dabei Regie, war Produzentin und Drehbuchautorin.

Feo Aladags zweiter Spielfilm "Zwischen Welten" startete am Dienstag im Berlinale-Wettbewerb um den Goldenen Bären. Er erzählt von der schwierigen Mission deutscher Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. "Es war mir wahnsinnig wichtig, dass wir authentisch sind", sagte Aladag der Nachrichtenagentur dpa.

Frage: Die meisten Regisseure weichen bei Dreharbeiten zu in Afghanistan spielenden Filmen auf Länder wie Marokko aus. Sie haben an afghanischen Originalschauplätzen in Kunduz und Mazar-i-Sharif gedreht - wie haben Sie das durchsetzen können?

Feo Aladag: Ich denke, wohl mit einer gehörigen Portion Sturheit. Es war mir wahnsinnig wichtig, dass wir authentisch sind. Die authentische Umgebung ist für den Film sehr bereichernd. Aber die Dreharbeiten waren natürlich nur machbar, weil das Thema Sicherheit oberste Priorität hatte. Sowohl die Bundeswehr als auch die afghanischen Verantwortlichen wussten immer, wo wir waren. Wir waren in engem Kontakt mit der Sicherheitszentrale im Camp Marmal, dem Feldlager der Bundeswehr.

Frage: Wie haben Sie Ihren afghanischen Hauptdarsteller Mohsin Ahmady gefunden, der als Laie den Übersetzer der Bundeswehrsoldaten spielt?

Aladag: Wir waren auf Motivsuche und kamen in sein Dorf in der Nähe von Mazar-i-Sharif. Dort bildete sich eine neugierige Menschentraube, die uns folgte - und irgendwann machte mein Regieassistent mich auf ein paar Jungs hinter uns aufmerksam. Ich drehte mich um und da stand Moshin mit seinem vierjährigen Neffen an der Hand. Ich guckte in seine Augen und da hat es Klick gemacht. Er sagte "Hi" und ich sagte mir, er ist genau so wie ich mir jemanden für die Rolle vorstelle - ein zerbrechlicher Mensch zwischen Jugend und Erwachsensein. Am nächsten Tag kam er zum Casting, und ich habe mich für ihn entschieden. Bei diesem Casting spielte er auch eine Szene, bei der es einen Moment gab, in dem er ganz stark die Tränen zurückgehalten hat. Da dämmerte mir schon, dass dieser Junge eine Last mit sich herumträgt.

Frage: Welche Lebensgeschichte hat Mohsin Ahmady?

Aladag: Er weiß nicht genau, wie alt er ist, 17 oder 18 vielleicht. Sein Vater war ein Taliban, er wurde vor zehn Jahren von den Amerikanern getötet. Mohsin lebt zusammen mit seiner Mutter und seinen zwei Schwestern. Mit verschiedenen Gelegenheitsjobs sorgt er für deren Lebensunterhalt.

Frage: Hat sich Ihre Sicht auf den Bundeswehreinsatz mit den Dreharbeiten verändert?

Aladag: Ja, im Verlauf der Entstehung des Films. Ich sehe jetzt die Leistungen klarer und sehe auch die Beschränkungen und die engen Rahmenbedingungen, unter denen gearbeitet wird.

Frage: Wird die Leistung der Bundeswehrsoldaten in der Öffentlichkeit ausreichend gewürdigt?

Aladag: Es ist viel besser geworden. Aber ich kenne schon Menschen, die von einem Afghanistan-Einsatz zurückgekommen sind, denen es nicht gut ging und die dann hörten: Bist ja selbst schuld, wenn du dort hingehst.

Frage: Was waren die täglichen Hindernisse beim Dreh?

Aladag: Die Hitze mit Temperaturen von bis zu 55 Grad. Die Darmprobleme wegen des ungewohnten Essens. Und immer wieder brach auch ein Motiv weg - sei es aus Gründen der Sicherheit oder weil einer der Location-Vermieter es sich anders überlegt hatte und plötzlich viel mehr Geld wollte.