2014 jährt sich der Geburtstag des Komponisten Richard Strauss zum 150. Mal. Das Theater Magdeburg ehrt ihn mit einer Aufführung seines "Rosenkavaliers".

Magdeburg l Die Uraufführung der Oper 1911 in Dresden führte zu einer Welle ungeheurer Begeisterung, wie sie gegenwärtig wohl nur die Fußballbundesliga auslöst: ein Postamt wurde in der Hofoper (der heutigen Semperoper) eingerichtet, Sonderzüge fuhren von Berlin nach Dresden, in einem Faschingsumzug ritten Rosenkavaliere zu Pferd mit und eine Zigarettensorte erhielt den Namen "Rosenkavalier". Letzteres würde sich heutzutage regelrecht kontraproduktiv auswirken, und überhaupt können diese damalige Euphorie ein gutes Jahrhundert später nur wirkliche Opernfreunde nachempfinden.

Aber an enthusiastischen Worten zum "Rosenkavalier" fehlt es in unseren Tagen auch nicht. Generalmusikdirektor Kimbo Ishii, der die Magdeburger Aufführung musikalisch leitet, bekennt uneingeschränkt: ",Der Rosenkavalier` ist definitiv die schwerste Oper, die ich je dirigiert habe, und wahrlich eine Ikone der Opernliteratur! Deren Gestaltungsweise erfordert einen ausgesprochen hohen Grad an Virtuosität und gleichzeitig den ganzen Wienerischen Charme - von den Sängern und den Musikern!!! Aber die unbeschreibliche Schönheit dieses sensationellen Werkes lohnt es allemal, sich den Herausforderungen zu stellen!" Und die Augen von Regisseurin Olivia Fuchs glänzen, wenn sie sagt: "Abgesehen von der einzigartigen Musik, bezaubert der `Rosenkavalier` durch eine Mischung aus Komödie, Boulevard, Philosophie, Romantik und Lebensklugheit. Es ist eine Oper zum Lachen und zum Weinen."

Die Oper erzählt von der Liebe, von ihrem Ende und von ihrem Anfang. Strauss und sein Librettist Hugo von Hofmannsthal verknüpfen dieses Geschehen eng mit der Erfahrung des Vergehens von Zeit.

Für Olivia Fuchs, deren Inszenierung von Puccinis "Madame Butterfly" die Magdeburger in jüngster Vergangenheit in Scharen ins Theater lockte, sind genau das die beiden Themen, die sie am "Rosenkavalier" interessieren: "In Bezug auf die Entstehungszeit widerspiegelt die Oper die Moderne. Die Handlung aber spielt in einer erfundenen Rokokowelt, in der wiederum der Wiener Walzer ja nichts zu suchen hat. Szenisch ergänzen und versinnbildlichen wir diese Ambivalenz durch eine Erfindung: Um den Gedanken des Vergehens von Zeit und der Erinnerung noch stärker erlebbar zu machen, haben wir eine Figur hinzugefügt: Die alte Marschallin erinnert sich an Ereignisse, die Jahrzehnte zurückliegen. Gegenwart und Vergangenheit, alles geht in einander über."

Die Liebe begegnet dem Zuschauer bei Hofmannsthal/Strauss nicht als universales Ereignis, sondern im Alltäglichen. "Ungemein komödiantisch sind dabei die verschiedenen Konstellationen, Verkleidungen und Rollenspiele", freut sich die Regisseurin. "Dem Burlesken steht dann das Nachdenkliche, Melancholische der Marschallin gegenüber. Es gibt keine großen Eifersuchtsdramen, wie man sie aus der Operngeschichte sonst kennt. Wie diese Frau über die Liebe und das Leben nachdenkt, da ist Hofmannsthals Text einfach toll, geradezu philosophisch."

Konzeptionell gesehen hat das Theater Magdeburg übrigens eine interessante Konstellation gebaut: Es zeigt den "Rosenkavalier" in einer Spielzeit mit Mozarts "Hochzeit des Figaro". Hofmannsthal/Strauss bezogen sich in der Figurenkonstellation nämlich bewusst auf diese Mozart-Oper, und in Magdeburg verkörpern die gleichen Sängerinnen die entsprechenden Partien: Noa Danon die Gräfin bei Mozart und die Marschallin bei Strauss, Lucia Cervoni singt die beiden Hosenrollen Cherubino und Octavian sowie Julie Martin du Theil gibt Susanna und Sophie. Opernfreunden verspricht das gewiss einen zusätzlichen Reiz!