Magdeburg l Kurz nach halb neun am Donnerstagabend, es ist dunkel in der Stadthalle. Dumpfe Töne hämmern, verschwimmen ins Orgelartige. Klavier. Nacheinander tauchen fünf Stoffbahnen an der Bühnenrückwand in gelboranges Licht, lassen sieben Gestalten erkennen. Schlagzeug. Scheinwerfer blenden grell-weiß, dann rot. Und wieder: Dunkelheit. Ein schemenhafter Umriss taucht auf, singt mit klarer, heller Stimme "Er hat gar nicht nachgedacht, ob er schon bereit ist". Das Publikum jedenfalls scheint bereit zu sein.

Projizierte Bilder illustrieren Bendzkos Musik

Die Lichtvorhänge werden zur Leinwand, illustrieren die Klänge: Hände vollführen ein Schattenspiel, in das Tim Bendzko sein Leben legt. "Mein Leben ist dein Leben", singt er. Schlanke rote Lichtkegel flirren durch den sonst dunklen Saal. Spätestens jetzt stehen die Zuschauer nicht mehr still. Und Tim Bendzko steckt nach und nach auch seine Band mit Tanz an, die anfangs - vertieft in die Musik - wenig Gesicht zeigt.

Mal singt er im Duett mit dem besten Freund aus der Back-Band, mal "duellieren" sich Gitarristen, mal flitzt ein Musiker mit Umhängekeyboard dazu. Heraus kommt eine Komposition mit wechselnden Instrumenten wie Akkordeon, Keyboards und Cello. Fein abgestimmt von einer großartigen Band, die jetzt sichtlich Spaß hat auf der Bühne.

Immer versteckt sich ein wenig Schlager hinter einer Soul-Fassade auf tragendem Beat. Wohldosiert mal in treibendem Rhythmus, dann wieder melancholisch-verträumt, mal poppig.

Bendzko erzählt von Liebe und Verbundenheit

Auf Textil wächst derweil im Hintergrund eine Mauer. Ein Kreide-Strichmännchen darauf schaut betrübt, bis sich ein zweites dazugesellt. "Du bist nicht allein", singt Bendzko im passenden Moment. Große Show. Zu gemalten Regentropfen lacht die Kreide-Sonne, die Mauer weicht dem Bild eines Sonnenblumenfeldes.

Wenn man ihn denn versteht, ohne die Texte zuvor auswendig gelernt zu haben, erzählt Bendzko von Liebe, Schmerz und Verbundenheit. Die hat er zu den Magdeburgern sofort, als er sich schuldig daran bekennt, dass wir keinen Winter haben. "Ich will keine, Magdeburg will keine Winter mehr", singt er - mit magdeburgisch kurzem A. Später erklärt er, dass Worte eigentlich gar nicht seine Sprache sind.

Mit Grönemeyer sprechend fragt Bendzko "Was soll das?" und erklärt im nahtlosen Übergang zum eigenen Stück: "Alles, was du wissen musst, ist, dass der Himmel brennt. Geh vor die Tür und sieh ihn dir an." Auf der Bühne geht eine große projizierte Sonne auf. Draußen liegt nach drei Zugaben der Stadtpark im Dunkel.