Kunstretter in Uniform
Im Zweiten Weltkrieg sollten sie bedeutende europäische Kulturgüter schützen und von den Nationalsozialisten geraubte Kunstwerke aufspüren: die Monuments Men, eine Sondereinheit der US-Armee.
Die Gruppe wurde 1943 gegründet und offiziell "Monuments, Fine Arts Archives-Section" (MFAA) genannt.
Die mehr als 340 Männer und Frauen aus dreizehn Nationen waren im zivilen Leben Museumsdirektoren, Kuratoren, Kunsthistoriker, Künstler, Architekten und Pädagogen.
Von 1944 bis 1951 konnten sie mehr als fünf Millionen verschleppte Kunstschätze retten und zumeist an ihre Eigentümer zurückgeben.
Viele der Monuments Men wurden später Direktoren und Kuratoren von weltbekannten Museen in den USA - darunter beispielsweise das Metropolitan Museum of Art und das Museum of Modern Art in New York sowie die National Gallery of Art in Washington.
Zur Monuments Men Foundation unter www.monumentsmenfoundation.org;
Hintergründe und Beiträge in den Medien zu The Monuments Men unter www.monumentsmen.com. (dpa)

Halle l Die Monuments Men kamen nicht bis Sachsen-Anhalt - trotzdem gelangten fünf Bilder aus Halle in ihre Hände.

Wenn am Donnerstag in den deutschen Kinos der Film "Monuments Men" startet, werden viele Orte in Sachsen-Anhalt zu sehen sein. Doch die historischen Monuments Men kamen nicht bis Sachsen-Anhalt. Bernterode bei Heiligenstadt in Thüringen ist der östlichste Ort, den sie, nach den Recherchen von Buchautor Robert M. Edsel, erreichten.

Fünf Gemälde aus dem Museum in Halle gelangten allerdings trotzdem in die Hände von Monuments Men. Es waren Max Liebermanns "Bildnis des Baumeisters Friedrich Kuhnt", Edvard Munchs "Por- trät Dr. Linde", die "Aufbahrung Wilhelms I. im Dom zu Berlin" von Arthur Kampf, "Rom mit Engelsburg" von Max Merker und ein "Heiliger Sebastian" eines unbekannten Künstlers.

Sie gerieten 1943 auf einen Lastwagen, der Raubkunst aus Frankreich nach Schloss Kogl im Attergau transportierte und in Halle Station machte. Dieser Zwischenstopp war nicht ungewöhnlich, denn Hallenser Museumsdirektor war zu dieser Zeit Robert Scholz. Scholz war Leiter der Hauptstelle für Bildende Kunst im sogenannten Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) in Berlin. Dieser Einsatzstab kümmerte sich um Raubkunst aus den besetzten Gebieten.

Fünf Hallenser Werke gelangten bis nach München

Warum die fünf Hallenser Gemälde auf den Lastwagen kamen, konnte nicht geklärt werden. Fest steht, dass sie nach Kriegsende im Central Collecting Point in München waren. Dort führten Monuments Men die geborgene Kunst zusammen und gaben sie an die Herkunftsmuseen oder Herkunftsländer zurück. Nach Halle, das in der sowjetischen Zone lag, konnte man nicht zurückgeben. So gingen die Bilder 1950 an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, später an die Oberfinanzdirektion München. Dort spürte sie der Kunsthistoriker Andreas Hüneke auf und erreichte Mitte der 80er Jahre ihre Rückführung nach Halle.

Dass die Kunst des Gegners zu schützen ist, hatte sich aber auch zu anderen Soldaten, die nicht Monuments Men waren, herumgesprochen. Die Schätze der Moritzburg in Halle lagerten während des Krieges in der Höhle Bösenburg. "Nach dem Einmarsch der Amerikaner organisierten die amerikanischen Soldaten den sicheren Rücktransport der Kunst in die Moritzburg", sagt Provenienzforscherin Susanna Köller.

Für die Bestände des Kaiser-Friedrich-Museums Magdeburg kam dagegen jede Hilfe zu spät. Tobias von Elsner, Historiker am Kunsthistorischen Museum Magdeburg, hat die Sammlungsgeschichte 1995 in seinem Buch "Alles verbrannt? Die verlorene Gemäldegalerie des Kaiser-Friedrich-Museums Magdeburg" aufgeschrieben.

Danach sollten Monuments Men auch in den Schacht Ludwig in Staßfurt kommen, wo die Magdeburger Museumsbestände lagerten. Die Kunstschützer hatten zu lange im thüringischen Merkers zu tun. Dort sicherten sie die deutschen Goldreserven und alle Schätze des Berliner Kaiser-Friedrich-Museums.Bevor sie damit fertig waren, gab es im Staßfurter Schacht Plünderungen und den verheerenden Brand, der die Sammlung vernichtete.