Frage: Herr Bauer-Friedrich, in wenigen Tagen übernehmen Sie die Leitung des Landeskunstmuseums Moritzburg in Halle. Was steht auf Ihrem Jahresplan?

Antwort: 2014 wird das große Thema die Depotnutzung sein. Die hat mein Vorgänger Gott sei Dank gut vorbereitet. Außerdem werde ich kleinere Projekte, die schon im Gespräch sind, mit den Kollegen zeitnah ausarbeiten. Das sind zum Beispiel Jubiläen in der Stadt wie der 60. Geburtstag des Puppentheaters in Halle oder 50 Jahre Halle-Neustadt. Da versuche ich gerade eine kurzfristige Präsentation mit einer Künstlerin hinzubekommen.

Frage: Was soll mit den Depots geschehen?

Antwort: Im Laufe des Jahres sollen die Depots umziehen. Was vorher der Kuppelsaal war, wird in Depotfläche umgewandelt. Teile davon sollen als Schaudepot fungieren. Das heißt, im Rahmen von Führungen kann man als Besucher Werke anschauen, auch Bereiche und Kunstwerke entdecken, die sonst verschlossen bleiben. Dafür musste Ausstellungsfläche geopfert werden.

Frage: Können Sie Ihre Ziele konkretisieren?

Antwort: Ich will ein attraktives Haus, vor allem für die jüngere und mittlere Altersgruppe, schaffen. Es soll wieder - oder mehr - in der Umgebung wahrgenommen werden. Dazu braucht es enge Kooperationen mit der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, mit der Universität Halle und mit den Absolventen. Wir müssen uns an das junge Kunstgeschehen hier in der Stadt anbinden. Daneben ist es wichtig, die bereits laufende Museumspädagogik auszubauen - über moderne Medien. Es gibt zum Beispiel noch keinen Audioguide. Das ist einerseits ein großes Manko, anderseits die Chance, gleich mit modernen Möglichkeiten einzusteigen - und diese durch Übersetzungen auch für das internationale Publikum attraktiv zu machen.

Frage: Sie wollen die Moritzburg aufs internationale Parkett bewegen. Wie?

Antwort: International sein, ist das langfristige Ziel. Momentan ist es wichtiger, die Moritzburg vor Ort zu platzieren. Gerade mit der Bekanntgabe meines Stellenwechsels habe ich gemerkt, dass Halle noch nicht den Stand hat, den es haben sollte. Für mich gilt es, das Bild wieder geradezurücken.

Frage: Ein schönes Wortspiel. Wie soll das geschafft werden?

Antwort: Ich will die Moritzburg im innerstädtischen Gefüge platzieren. Dazu gehört es, Angebote zu schaffen, die Besucher anlocken. Das fängt an bei der Bespielung des Burggrabens. Man könnte regelmäßig mit Theater und Oper kooperieren. Und geht bis zu Projekten und Ausstellungen, die ein jüngeres Publikum anlocken.

Frage: Welche Ausstellungen können wir erwarten?

Antwort: "Brücke" wird ein Schwerpunkt bleiben. Aber wir haben ein unglaubliches Potenzial in den Depots, was gar nicht präsent ist. Das betrifft zum einen den Ausstellungsbereich Moderne I, also die Klassische Moderne, und zum anderen die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mir ist es in den kommenden Jahren wichtig, zum Beispiel die Kunst in Halle von Malern wie Willi Sitte zu zeigen. Aber auch die Nachkriegszeit - die 1940er und 1950er Jahre mit Werken von Conrad Felixmüller sollen verstärkt gezeigt werden.

Frage: Das Haus hat im vergangenen Jahr mit Ausstellungen wie "Emil Nolde. Farben heiß und heilig" seine Besucherzahl gegenüber 2012 auf etwa 46 000 verdoppeln können. Übt das Druck auf Sie aus?

Antwort: Natürlich schwingt im Hinterkopf mit, dass man froh wäre, wenn man die Zahlen steigern kann. Aber - und das betone ich - es ist mir nicht wichtig, die Qualität der Moritzburg an den Besucherzahlen zu messen, sondern an den Inhalten.