Magdeburg l Bei seiner Arbeit zum "Rosenkavalier" war Richard Strauss über 45 Jahre alt - höchste Zeit für den stark von Wagner beeinflussten Komponisten, mit seinem Librettisten Hugo von Hoffmannsthal einen eigenen Weg zu finden, den er bis zu seinem Tode 1949 auch nicht mehr verließ. Nach "Salome" und "Elektra" ist "Der Rosenkavalier" eine Wende zu Melodie und Harmonie.

Die Oper ist eine Herausforderung für Chor und Orchester, vor allem aber für die Solisten. Und die übertrafen sich gegenseitig. Als Feldmarschallin brillierte die israelische Sopranistin Noa Danon ganz als Diva, sie vermochte gleichzeitig, die tiefen Zweifel über die eigene Vergänglichkeit und den Schmerz der hoffnungslosen Liebe zu Octavian anrührend zu verkörpern. Octavian wiederum, gesungen von der kanadischen Mezzosopranistin Lucia Cervoni, meisterte die wahrlich nicht einfachen Partien mit begeisternder stimmlicher Leidenschaft.

Sophie, die Tochter des neuadligen Emporkömmlings Herr von Faninal, war eine Wunschrolle der jungen Schweizer Sopranistin Julie Martin du Theil, die sie mit viel Einfühlungsvermögen und stimmlicher Präsenz prägte. Der Baron Ochs auf Lerchenau, in diesem Kreis der einzige männliche Protagonist, wurde von dem internationalen Opernstar Manfred Hemm gesungen. Der Bass aus Österreich gab der Aufführung einen besonderen gesanglichen Glanz.

Diesem Abend der musikalischen Höhepunkte fügte die Magdeburgische Philharmonie unter Leitung von Generalmusikdirektor Kimbo Ishii einen weiteren hinzu. Der Opernchor, verstärkt vom Opernkinderchor des Konservatoriums "Georg Philipp Telemann" war wie immer durch Martin Wagner bestens eingestellt.

Regisseurin Olivia Fuchs hat mit bemerkenswertem Feingefühl die Umbruchsituation im Schaffen des Komponisten mit den Ängsten zur Vergänglichkeit von Jugend und Liebe sowie dem Triumph der Jugendliebe durch Sophie und Octavian verknüpft. Ist es in der eigentlichen Fassung ein verlorenes Taschentuch als Symbol des Verlustes und der Vergänglichkeit, so ist es in ihrer Inszenierung eine alte Frau, die die Klammer der inhaltlichen Botschaft bildet. Die Zeit hat kein Maß, außer der Vergänglichkeit.

Die Bühne von Niki Turner unterstützt diese Aussage eindrucksvoll. Die Ordnung und Harmonie der Dekoration aus dem ersten Akt weicht zum Schluss dem Chaos. Die Bühne ist wie die Welt aus den Fugen geraten. Deshalb haben die knappen Videosequenzen zum Ersten Weltkrieg durchaus ihre Bedeutung, wenngleich zur Uraufführung 1911 in Dresden noch nicht an Krieg zu denken war. Spürbar waren jedoch die gesellschaftlichen Erschütterungen, die auch im "Rosenkavalier" ihren Niederschlag fanden. Der Baron Ochs auf Lerchenau, Symbol der Habsburgischen Monarchie, ist düpiert, die Liebe scheint das einzig Beständige im Strudel der allgemeinen Veränderungen zu sein. Diese Inszenierung ist richtig großes Theater!

Weitere Aufführungen u.a. am 1., 9. und 23. März.