Genthin l Noch Anfang der 1990er Jahre war selbst unter den Genthinern der Name Edlef Köppen bestenfalls ein Insider-Tipp. Das hat sich grundlegend geändert. Neben dem inzwischen vierten Kolloquium am Sonnabend wird eine Ausstellung das Herzstück der jährlich laufenden Edlef-Köppen-Tage sein, die sich stets zwischen Köppens Geburtstag am 21. Februar und seinem Sterbetag dem 1. März erstrecken. Stadt- und Kreisbibliothek sowie Museum lassen dabei Köppens vielbeachteten Antikriegsroman "Heeresbericht" und die regional bezogene Darstellung des Ersten Weltkrieges in der neuen Sonderausstellung "verschmelzen". "Die Ausstellung ist am `Heeresbericht` entlang ausgerichtet und zeichnet Köppens Erlebnisse an der Front und seine Entwicklung vom Kriegsfreiwilligen zum Kriegsverweigerer nach", erklärt Museumsleiterin Antonia Beran.

Sie verweist auf einzigartige Köppen-Dokumente, die die Stadt- und Kreisbibliothek zur Ausstellung beiträgt, um diese Biografie nachzuzeichnen. Zusammen mit Exponaten aus dem Fundus des Museums und Leihgaben entsteht ein differenziertes Gesamtbild der Geschehnisse der Jahre 1914 bis 1918.

Köppens herausragender Antikriegsroman "Heeresbericht" erschien 1930 und wurde von zeitgenössischen Autoren begeistert umjubelt. In dem Werk entwickelt Köppen eine neue Darstellungsweise, indem er originale Dokumente in eine fiktive Handlung einbettet.

Dass der gebürtige Genthiner, der später in Wilhelmshorst bei Potsdam lebte, in der öffentlichen Wahrnehmung nahezu ausgeblendet war, ist wohl auch dem Umstand zuzuschreiben, dass Remarques Klassiker "Im Westen nichts Neues" bereits 1928 erschien. In der Weimarer Republik hatte man ohnehin wenig Interesse an Romanen wie dem "Heeresbericht", die nicht der "Mythisierung und Heiligsprechung" des Krieges dienten. Die Hauptfigur des Romans ist der Kriegsfreiwillige Adolf Reisinger, der sich während des Ersten Weltkrieges vom begeisterten Soldaten zum nachdenklichen Leutnant entwickelt, der aus Gewissensgründen den Gehohrsam verweigert, für verrückt erklärt wird und in einer psychiatrischen Klinik landet.

Mit der Beschäftigung mit dem Schriftsteller und Rundfunkpionier entwickelte sich die Genthiner Stadt- und Kreisbibliothek mittlerweile zu einem Köppen-Zentrum, das über ein profundes, deutschlandweit einzigartiges Köppen-Archiv verfügt. Dazu zählt ein umfangreicher Briefwechsel mit Autoren, der Familie und Freunden, der Nachlass des Schriftstellers, Postkarten, private Familienaufnahmen, Tonaufnahmen und aufgezeichnete Zeitzeugengespräche. Die besondere Wertschätzung, die Köppen heute entgegengebracht wird, begründet sich auch auf seine Tätigkeit bei der Berliner Funkstunde, dem ersten deutschen Radiosender, deren Leiter er ab 1932/33 war.

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