Mainz (dpa) l Erstmals in der Geschichte von ARD und ZDF läuft für die Zuschauer und Hörer alles auf eine Senkung des Rundfunkbeitrags hinaus. Nachdem die Finanzkommission KEF am Mittwoch offiziell ihren Vorschlag von 73 Cent weniger pro Monat vorlegte, hat die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) eine Entlastung in Aussicht gestellt. Die Höhe ließ sie aber offen. Denn im März wollen die Regierungschefs darüber entscheiden - und da gibt es noch unterschiedliche Meinungen.

"Wenn das Beitragssystem mehr Geld einbringt, als man dachte, dann ist es auch richtig, dass die Beitragszahler etwas davon zurückerhalten", sagte Dreyer, die die Rundfunkkommission der Länder leitet. "Die Höhe werden wir aber möglichst sorgsam jetzt noch mal abwägen." Die 73 Cent seien eine Orientierung. Bis Anfang 2015 werde dann geprüft, ob Korrekturen am System nötig seien. Die Regierungschefs hätten sich auch mit der Frage nach weniger Werbung befasst, sagte Dreyer.

Die Hälfte der Mehreinnahmen sollte als Rücklage dienen

Die Experten der KEF halten trotz wachsender Kritik am Vorschlag fest, den Beitrag ab 2015 von 17,98 Euro auf 17,25 Euro im Monat zu senken. "Wir haben seriös gerechnet", sagte der KEF-Vorsitzende Heinz Fischer-Heidlberger. Die Hälfte der erwarteten Mehreinnahmen von insgesamt 1,1 Milliarden Euro für 2013 bis 2016 solle für die Beitragssenkung verwendet werden, die andere Hälfte als Rücklage. Damit soll ein möglicher Beitragsanstieg ab 2017 verhindert werden. Wenn Werbung und Sponsoring komplett wegfielen, müsste der Beitrag aus Sicht der KEF um 1,26 Euro steigen.

Bayern will sich für eine Entlastung der Beitragszahler stark machen. Dies habe "klare Priorität", teilte Staatskanzleiministerin Christine Haderthauer (CSU) mit.

Die KEF sieht auch bei den Fernseh-Produktionskosten Einsparpotenziale. Unter dem Strich rechnet sie für 2013 bis 2016 mit einem Überschuss aus Mehrerträgen, Einsparungen und anderen Posten von rund 590 Millionen Euro. Während ARD (514,5 Mio Euro) und ZDF (83,2 Mio) mit Überschuss herauskämen, ergebe sich beim Deutschlandradio ein Minus von 8,4 Millionen - vor allem wegen DRadio Wissen.