Dessau l Nach langem Schweigen hat sich Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt erstmals zu Hintergründen seines Abschieds geäußert. An seinem vorletzten Arbeitstag in Dessau warf er dem Bauhaus-Stiftungsrat unter Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) undurchsichtiges Agieren vor. Es geht um das geplante Bauhaus-Museum, das bis 2019 entstehen soll. Der Bau werde identitätsstiftend sein und müsse daher höchsten Ansprüchen genügen, sagte Oswalt vor Pressevertretern. Warum das Haus jedoch im Stadtpark gebaut wird und nicht - wie von den Gutachtern empfohlen - in Bauhaus-Nähe, sei nicht nachvollziehbar. "Man kann so etwas ja anders entscheiden, aber hier liegen die Motive im Dunkeln. Es gab keine Besichtigung, kein Gespräch mit den Gutachtern und keine Einwände gegen die Gutachter." Mittlerweile sei fraglich, ob das Museum rechtzeitig bis zum Bauhaus-Jubiläum 2019 fertig werde. "Ich habe da Zweifel", sagte Oswalt. Denn spätestens im Sommer müsse die Ausschreibung erfolgen. Noch sei jedoch unklar, wer die Mehrkosten von bis zu fünf Millionen Euro tragen werde.

Oswalt sagte, ihm sei bewusst gewesen, dass ihm diese Meinungsverschiedenheit Probleme machen könnte. "Dass es so arg wird, hätte ich nicht gedacht." Derzeit sucht der von Bund, Land und Stadt besetzte Stiftungsrat einen neue Direktor. Unter den Bewerbern ist auch Oswalt. Er wolle damit für sein Verständnis von Eigenständigkeit des Bauhauses einstehen, sagte er. Stiftungsratsvorsitzender Dorgerloh hatte die Neuausschreibung mit gestörtem Vertrauensverhältnis begründet.

Bis zur Neubesetzung teilen sich im Bauhaus drei Köpfe die Verantwortung. Dorgerlohs Kultus-Staatssekretär Matthias Puhle übernimmt die Aufgabe des Vorstands und soll grundlegende Entscheidungen treffen. Das Alltagsgeschäft hingegen liegt bei den Bauhaus-Mitarbeitern Regina Bittner und Florian Bolenius. Beide rechnen mit einer längeren Interimszeit.