Der Künstler Olaf Wegewitz
Olaf Wegewitz, 1949 in Schönebeck geboren, gehört zu den wichtigen bildenden Künstlern aus Sachsen-Anhalt. Mitte der 70er-Jahre erwarb er sich in Leipzig bei Professor Hans Schulze die Grundkenntnisse für sein Schaffen, ohne jemals eine traditionelle Hochschule zu besuchen. Die Beteiligung an der spektakulären Exposition "Leipziger Herbstsalon" machte ihn 1984 in der DDR-Kunstszene bekannt. 1999 erhielt er den Kunstpreis des Landes Sachsen-Anhalt.

Magdeburg l 1340 Kilometer per pedes auf dem 11. Längengrad: 2012 erlief sich der Maler Olaf Wegewitz Deutschland zwischen Fehmarn und der Zugspitze. Vier Jahre dauerte die künstlerische Auswertung. Im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen ist das Ergebnis erstmals zu sehen, Eröffnung der Exposition am Sonntag, Ende am 25. Mai.

"Heute werden solche Entfernungen an Hand der Reisegeschwindigkeit eines Autos gemessen und bewertet. Für ein Schrittmaß bleibt keine Zeit", bringt es der in Huy Neinstedt lebende Künstler auf den Punkt. Jetzt im Nachhinein sei ihm seine Aktion, bei der Sohn Lienhard mit dabei war, selbst ein wenig unheimlich. 32 Tage lief das Duo nach der Karte, übernachtete unter freiem Himmel, in Pensionen oder Hotels. Durchschnittlich 42 Kilometer umfasste eine Tagestour, zehn Kilogramm Gepäck galt es zu tragen.

Welche Erfahrungen brachte die Tour? Olaf Wegewitz (64) spricht über die Landschaften und letztlich sehr agrarisch geprägte Regionen auf dem ganzen Weg. Eine Unmenge an Eindrücken sog er auf, spricht mit Begeisterung von jahrhundertealten Feldwegen, die das Wandern leichter machten. Doch auf der anderen Seite gab es Zurückhaltung, sogar Feindseligkeiten von Menschen vor allem in Süddeutschland. Wegewitz zeigt Verständnis, auch dafür, dass einige Hotels die Übernachtung der beiden "Wanderburschen" im Vorfeld beglichen wissen wollten. Ein Bauer verwehrte ihnen misstrauisch das Nachtlager auf einer abgemähten Wiese. Wanderer in der Landschaft, scheinbar ohne Ziel und auf die notwendigsten Utensilien beschränkt, haben Seltenheitswert.

Mittelpunkt der Bilanzausstellung ist ein ungewöhnliches Bild. 100 Meter hoch und aufgerollt in einem regelrechten Nomadenaltar offenbart es nur immer einen Abschnitt von drei Metern. Mit Hilfe eines Hebelwerks erfolgt der Weitertransport der 1,60 Meter breiten Bahn. Immer sonntags um 15 Uhr soll das geschehen und so einen Eindruck von Wegewitz´ Leistung vermitteln. Die lange Leinwandbahn ist eine Art Reisetagebuch. Rund zwei Jahre brauchte der Künstler, um es zu füllen. Eine spannende Zeit sei das gewesen, in der Erinnerungen eine wichtige Rolle spielten, Skizzen und Notizen aufgearbeitet und Fotos betrachtet wurden.

Auch eine lange Reihe farbiger Blätter aus Japanpapier entstand während der Deutschlandreise. Wegewitz hatte die Blätter für Frottagen genutzt - Abreibungen von Grabsteinen, Epitaphen und anderen Objekten - meist an oder in Kirchen. Letztere erwiesen sich stets aufs Neue als Orientierungspunkte in der Landschaft. Später im Atelier erhielten die einzelnen Bögen ihr endgültiges Aussehen, sie wurden beispielsweise übermalt, ohne dass die Grundinformationen verlorengingen.

Eine lange Reihe kleiner Skizzenblätter rundet die Reiseeindrücke ab. Die Exposition selbst weckt Neugier, überzeugt durch ihr Gesamtkonzept und die Idee an sich.

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