Dessau-Roßlau l Am Anfang ist Bedauern. Über die zeitliche Begrenzung und dass es kein Konzert, wie oft getan, so von acht Uhr abends bis vier Uhr morgens werden kann. Aber dann ist vor allem Freude. Dabei zu sein bei "diesen Festtagen zu Ehren Kurt Weills".

In einem Festivalprogramm, das die Medien im Thema hat, passt einer gut hinein, der viel für Film und Fernsehen gearbeitet hat. Und so stehen Klaus Doldinger und Passport am Sonnabendabend auf der Bühne des ausverkauften Anhaltischen Theaters Dessau.

Nach 2008 sind sie zum zweiten Mal beim Kurt Weill Fest. Seine "Unendliche Geschichte"- so der Konzerttitel - umschreiben sechs Jahrzehnte Filmmusikgeschichte, die sich der ansonsten vor allem dem Jazz verschriebenes Saxofonist und Komponist gewidmet hatte.

Im legeren schwarzen Anzug zum graumelierten Haar, den Hemdkragen offen, mit Turnschuhen agiert der 77-Jährige bestens aufgelegt inmitten seiner sechs jungen "Passport"-Musiker, die er im Übrigen vor jedem weiteren Wort, vor dem ersten Ton dem Publikum vorstellt. Das begeistern sie zusammen in den kommenden drei Stunden bis zu stehenden Ovationen.

Auftakt mit drei Stücken aus dem jüngsten Album "Inner Blue". Kräftiger Jazzrock etwa bei "Madragora" oder Besinnlich-Sphärisches bei "Dark Flame". Immer steht - den ganzen kontrastreichen Konzertabend über - Doldingers kraftvoll-stringentes Saxofonspiel im Mittelpunkt. Großartig aber sind ebenso die Soli der starken Musiker an seiner Seite, ob von Michael Hornek am Keyboard, Patrick Scales am Bass oder im sehr vielseitig bedienten Perkussionbereich.

Band soll Spaß haben

Die Band soll Spaß haben beim Spielen seiner Kompostionen, hat Doldinger mal gesagt. Diesen Spaß sieht man allen Musikern an. Er selbst geht mit, motiviert zusätzlich.

Und erzählt zwischen den Stücken von deren Entstehung. So von den großen Eindrücken einer Marokko-Tour. Dort erlebte Lebensfreude klingt in "Maalech" oder "Sahara Sketches" eindrucksvoll nach.

Immer wieder auch der Bezug zur eigenen Schaffensgeschichte, zum Beispiel der ersten Platte von 1955. Eine Remix von "Ataraxia", hier greift Doldinger zum Sopransaxofon, das einen effektvollen Hall bekommt, ist der Reminiszenzen in die Vergangenheit.

Dazu gehört "Das Boot" mit Klaus Doldingers Filmmusik. Zu Regisseur Wolfgang Petersen in den USA verbindet den Komponisten bis heute eine Freundschaft. Weg aus Deutschland, sagt er, wollte er aber nie. Emigrieren aus Deutschland musste Kurt Weill. Dessen "Septembersong" aus einer kleinen Spieluhr, ein Geschenk von Festivalintendant Michael Kaufmann, dient als Vorlage für ein musikalisches Zitat à la Doldinger.

Als dann zum Schluss Musiker und Publikum in einen besonderen musikalischen Dialog treten, sieht es einen Moment so aus, als könnte es doch bis zum Sonnenaufgang gehen. Leider war vorher Schluss.