Magdeburg l Wohin die Reise an diesem Abend geht, wird spätestens mit dem Stück "Bengalische Tiger" klar. Darin heißt es: "Und ich stell mich unter das rote Licht. Gib mir Schutz in meiner Hand Pyro". Eine Hymne an die Jugend und die Aufforderung, ungehorsam zu sein. Zwischen treibenden Beats Textzeilen mit Widerhaken: "Evolution wird mit R geschrieben."

Ein Besucher hat es am Sonnabendabend in der Stadthalle Magdeburg dann doch tatsächlich auch geschafft, an den strengen Einlasskontrollen vorbei ein bengalisches Feuer hineinzuschleusen - das er dann auch passend zum Text mitten in der Stadthalle und zwischen mehr als dreitausend Fans zündet. Was man sonst von Fankurven kennt, ist bei Konzerten dann doch eher unüblich. Wahrscheinlich hat das auch etwas mit der Vergangenheit von Marten Laciny, wie der 31-jährige Marteria mit bürgerlichem Namen heißt, zu tun. Aufgewachsen in Rostock spielte Laciny nicht nur für Hansa, sondern auch für die U-17-Nationalmannschaft. Host Hrubesch persönlich erkannte damals das Talent des heutigen Rap-Stars. Noch immer steht Laciny in Kontakt mit seinen Kollegen von damals.

Mit auf der Bühne stehen Sonnabend seine Live-Musiker und Background-Sänger. Auch das ist im Rap-Geschäft eher unüblich. Als Gast-Star ist Miss Platnum mit dabei. Mit dem Stück "Lila Wolken" hatten Marteria und Platnum einen gemeinsamen Nummer-Eins-Hit. Auch die aktuelle Scheibe von Marteria "Zum Glück in die Zukunft II" landete auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Der größte Hit ("Kids")auf der Platte läuft seit Wochen auf vielen Radiostationen rauf und runter. Laciny ist am Sonnabend dann auch sichtlich beeindruckt, als alle im Chor singen: "Alle haben `nen Job -- ich hab Langeweile". In solchen Momenten wird ersichtlich, warum Marteria so angesagt ist: Mit viel Ironie trifft er die Sprache einer Generation.