Magdeburg l Grellweißes Licht flackert eine Neonröhre am Donnerstagabend ins Dunkel des Alten Theaters. Sechs Schatten-Gestalten betreten die Bühne. Ein Lichtkegel fällt aufs Keyboard. "Er macht seit 30 Jahren bei Regen, Wind und Schnee in den Fußgängerzonen Wahlkampf", singt Thees Uhlmann. Weiche Lichtfäden streifen im Takt durch die Halle. Blau, dann grün, weiß "sind die Knöchel auf seinen Händen" und rot "ist der Backstein von den Häuserwänden". Klänge und Worte wohl ausbalanciert mit dem rhythmischen Leuchten. Alles in Bewegung. Nur die Musiker der Band klammern fast statisch an ihren Instrumenten, während Uhlmann hüpft, tanzt, mit den Armen baumelt und das ungemein authentisch.

Zum hämmernden Beat streicht er über die Akustikgitarre, zur klar-melodisch gezupften E-Gitarre fragt er "Wie häufig siehst du himmelwärts? In der Schönheit des Moments, wenn du lachst und schreist und rennst und Jay-Z singt uns ein Lied."Für die Magdeburger singt er es. Und hat sich dafür "extra schick gemacht mit `Doppeljeans`" - jeansblaue Hose und Jacke, dazu ein schlicht-weißes Shirt.

Er singt von Freundschaft, Abschied und Liebe, von Fußball und Politik und für den Frieden. Der Titel "Zugvögel" ist eine mit verzerrten Gitarrentönen treibende Ode an die Freiheit, durchzogen von hohen Klavierakzenten. Sie kommen der Aufforderung "Flieg, Vogel, flieg" nach und verdichten sich zum Solo. Das Publikum summt dazu wie einstudiert die Backing-Vocals.

Uhlmann erzählt Anekdoten aus der Jugend

Das Liebeslied der Toten Hosen interpretiert Thees Uhlmann allein, mit Mundharmonika und Gitarre. "Schließt euch ein, macht die Augen zu! Und aus dem Radio kommt ein Liebeslied." Mal spielen Mundharmonika und Klavier im Duett. Mal sitzt Uhlmann mit am Klavier. Dann zieht es sich wie ein Faden in immer wieder gleicher Melodiepassage durch das Stück "Der Fluss und das Meer".

Uhlmann plaudert zwischen den Stücken aus Kindheit, Jugend und dem Herzen. Von Zahnlücken, zu viel Pfefferminztee und einem Kurztrip mit dem Vater nach Cuxhaven. Am Strand erzählte er dem Sohn, ihm sei jeder Unfug - Rauchen - und jedes Malheur - eine während der Geburtstagsparty zerbrochene Fensterscheibe - und einfach alles egal. "Nur wenn du deiner Mutter das Herz brichst, mach ich dir das Leben zur Hölle."

Ein wenig von all dem ist zu hören zwischen den Zeilen der Lieder. "Bei Songtexten geht es darum, das zu sagen, was jeder im Kopf hat", sagt Thees Uhlmann.

"Und es brennt und es brennt und es brennt" im Alten Theater

"Das letzte Hemd" ist endlich Feuerwerk auf der Bühne. Schnelle Gitarren, tanzende Band, zueinander gewandte und im Dialog spielende Musiker. "Und die Straße verschmilzt am Horizont mit der Sonne." Und der springende Uhlmann ist schließlich Teil der Band.

Kalt-gelbes Licht scheint hell ins Publikum, an der Bühne leuchten Lämpchen in Reihen eins nach dem anderen auf. Das Schlagzeug donnert. "Und es brennt und es brennt und es brennt", singt Uhlmann. Fünf Zugaben und eine Jacke - "Das ist das erste Mal, dass ich mich für ein Publikum umgezogen habe." - später brennt im Alten Theater das Licht.