Drübeck l Merkwürdig und schön - zu Konzerten des Kammerorchesters mit moderner Musik strömen die Besucher wie die Wespen zum Honigtopf. Eingangs spielten zehn Streicher und zwei Hörner, Flöte, Klarinette und Fagott das 1938 entstandene Es-Dur-Konzert "Dumbarton Oaks" von Igor Strawinsky (1892-1971). Es wurde nach Schloss und Park der amerikanischen Fördererfamilie Bliss benannt. Heiterer Neoklassizismus im Stil der Brandenburgischen Konzerte von Bach, wobei Strawinsky sich anfangs eines Motivs aus dem 3. Konzert bedient. Dann aber schichtet er seine Motive aufeinander, aus denen sich virtuoses, minimalistisches Spiel der einzelnen Instrumente und Instrumentengruppen ergibt. Musikdirektor Christian Fitzner ließ ihnen beim Dirigat des 15-minütigen filigranen Werks die Freiheit zu schönster kantilener Entfaltung.

Dann sprach Christoph Reuter (geboren 1977) über den Entstehungsprozess seines ersten Violinkonzerts. Nach dem Auftragswerk "Teufelsspiegel" für das Impuls-Festival 2012 saß er mit dem Sologeiger Thomas Panhofer und Fitzner anschließend noch beim Wein zusammen, als Panhofer den Wunsch nach einem Violinkonzert äußerte. Nach kurzer Bedenkzeit meinte Reuter: "Warum eigentlich nicht?" Der Komponist zeigt immer größte Vielfalt - für das Kurt-Weill-Fest in Dessau bearbeitete er die Bettler-Oper von John Gay für die Aufführung am Theater.

Sein fünfsätziges Violinkonzert zeigt in den Satzbezeichnungen klassische Formenstrenge - mit Andante, Menuett, Largo, Allegro und Vivace. Aber Reuter wäre nicht Reuter, füllte er diese Sätze nicht mit spannender Musik. Nicht atonal, sondern für die Hörer mit Vergnügen zugänglich. Mit dem Jazzpianisten und Percussionisten Reuter am Piano und mit der Darbuka - einer türkischen Trommel, gefunden als Instrument auf einer Reise nach Istanbul. Ganz außergewöhnliche Klänge in einem Violinkonzert!

Nach einer kurzen Introduktion des Orchesters schwebt ein intensiver Violinton durch den Raum - dann betritt der Solist das Podium. Mit einer virtuosen Kadenz beschließt er das Andante. Beim Menuett eröffnen Cembalo-Klänge den tänzerischen Reigen, nur kurz gestoppt durch Bläser-Breaks. Spielerisch und gelöst - so nehmen Fitzner und Panhofer den zweiten und dritten Satz, ein fröhlich-melancholisches Largo.

Die beiden letzten Sätze gehören eleganten, schmissigen Tango-Rhythmen. Panhofer mit seiner singenden Geige dialogisiert mit dem Orchester, mit Klavier und Darbuka. Es sind lange, intensive Soli mit temperamentvollen Steigerungen; eingeschlossen in blühenden Orchesterklang. Mit ihrem Temperament erinnert die Komposition ein wenig an den spanischen Teufelsgeiger Sarasate.

Zum Schluss gibt es nach sechs Minuten Zuhörer-Jubel als Zugabe eine Wiederholung aus dem fünften Satz. Diesmal trommelt und klopft der Percussionist Reuter als Dank an das Orchester den Rhythmus auf dessen Notenpulten. Wiederum stürmischer Applaus. Ein wunderschöner Uraufführungs-Erfolg für alle Beteiligten!