Der Leipziger Thomanerchor gilt weltweit als Inbegriff choraler Sangeskunst. Das bewiesen die jungen Sänger auch in Magdeburg, begleitet von erfahrenen Musikern und Sängern.

Magdeburg l Wohltemperiert im besten Sinne - so lässt sich der dritte Konzertabend der diesjährigen Telemann-Festspiele bezeichnen. Unter dem Titel "Lobgesänge" sind zwei geistliche Werke der beiden Komponisten zusammengefasst, die in diesem Jahr im Fokus des musikalischen Ereignisses stehen: Telemann und der zweitälteste Bachsohn Carl Philipp Emmanuel (C.P.E.). Die Thematik "Generationen" wird aber auch leibhaftig präsentiert: Als Akteure treffen sich Nachwuchs und bereits renommierte Spezialisten für alte Musik - Thomanerchor und Leipziger Barockorchester, unter den Solisten sind junge Stimmen wie Julia Sophie Wagner (Sopran) oder Georg Streuber (Bass I) genauso zu finden wie erfahrene und international tätige Solisten wie der Kammersänger Martin Petzold (Tenor), Annette Markert (Alt) oder Matthias Weichert (Bass II).

Mehr als 520 Zuhörer erleben in der nahezu ausverkauften Johanniskirche in Magdeburg einen sich unaufgeregt darbietenden, gleichwohl inspirierten, lebhaften und bewegenden Abend. Dies ist zunächst dem zweitältesten Bachsohn zu verdanken, dessen "Magnificat" in D-Dur, 1749 komponiert, um das bis dato höfische Portfolio in Richtung geistlicher Vokalmusik zu erweitern und sich als Nachfolger des Vaters Johannes Sebastian als Thomaskantor zu empfehlen, nahezu modern anmutet.

Schon mit den ersten Klängen wird deutlich, dass Dirigent Michael Gläser, der den erkrankten Thomaskantor Georg Christoph Biller kurzfristig ersetzt und präzise und energisch führt, vor allem den subjektiven Charakter dieser Musik herausarbeitet.

Das Innige und Zarte verströmt bereits der weiche Sopran Julia Sophie Wagners. Später lassen Annette Markert und Martin Petzold ihre Stimmen im Duett umeinander ranken. Ausdruck der Kernbotschaft: Die Privilegierten sollen ihren Platz räumen, die Schwachen stark werden. Die Melodien scheinen im mächtigen, bernsteinfarben beleuchteten Kirchenraum zu schweben, driften aber niemals in die Unendlichkeit ab. C.P.E. Bach hat Musik komponiert, die stets bei den Menschen bleibt - selbst beim jubilierenden Finale, brillant gestaltet von Chor und Orchester.

Die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens wird auch in Telemanns folgendem Werk, der Donnerode, inszeniert. Dieses ist im Jahr nach dem verheerenden Erdbeben von Lissabon 1755 entstanden. Mit Nachdruck dargebracht teilt sich mit, wie anders Menschen vor 250 Jahren Naturkatastrophen verarbeitet haben - ganz ohne Liveberichterstattung per TV oder Twitter, dafür mit einem abgründigen Sinn für das Bedrohliche, Existenzielle. Dafür gibt es viel Beifall.

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