Flechtingen l Die Gedichte trage sie mit sich wie ungeborene Kinder. Wenn sie "fertig" sind, lasse sie sie einfach aufs Papier fallen. So schreibt Petra Friedel seit ihrer Jugend. Mit einem Gedicht an ihre verstorbene Mutter konnte die 50-Jährige kürzlich die Jury des größten deutschsprachigen Poesie-Wettstreits überzeugen.

Viel Erfahrung, Kritik und liebe Worte habe es gebraucht, bis die gebürtige Hallenserin ihre Worte hat lesen lassen. "Früher habe ich oft abends geschrieben. Morgens sind die Texte dann im Papierkorb gelandet", sagt sie. Denn bei Tageslicht sehe alles ganz anders aus. "Schreiben ist sehr emotional. Da gebe ich intimste Gedanken preis. Damit an die Öffentlichkeit zu gehen, fiel mir nicht leicht", sagt Petra Friedel.

Unterstützt habe sie bei dem Schritt ein bayerischer Autor, der unter dem Pseudonym "SergeD." veröffentlicht. Kennengelernt auf der Internetplattform "Lyrikecke", habe sich aus dem Kontakt eine Freundschaft entwickelt. "Er hat mir an Theorie viel beigebracht", sagt die Lyrikerin. "Das hat mir einen deutlichen Schub nach vorn gegeben." Daraufhin seien viele Gedichte entstanden. "Ich fühlte mich bestätigt für mein erstes Buch." Etwa 150 Stück konnte sie bislang von dem vor zwei Jahren herausgegebenen Band unter dem Titel "Wilder Mohn und Himmelblau - Gedichte für Tagträumer und andere Lebenskünstler" verkaufen.

Texte hätte Petra Friedel mittlerweile genug für mehr als sechs Bücher - Nachdenkliches und Verse zum Schmunzeln. In leicht zugänglichen Reimen schreibt sie über Liebe, Natur und Alltäglichkeiten. "Gedichte sind ein Nebenprodukt meiner selbst", sagt Friedel. Wie auf eine Ablage lege sie in die Gedichte ihre Gedanken und beobachtete Kleinigkeiten vom Rande des Lebens, die im Alltag oft untergehen. "Wenn ich es aufgeschrieben habe, kann ich es verarbeiten."

Dabei komme das Denken zum Gedicht der Meditation gleich. "Ich mache mich selbst leer von allem anderen und nehme nur noch diese eine Sache wahr", sagt Petra Friedel. Dafür brauche sie lediglich Ruhe. "Der Ort spielt dann keine so große Rolle mehr." Deshalb habe sie immer etwas zum Schreiben bei sich, um im richtigen Moment Gedanken festzuhalten.

"Ich habe natürlich meine Lieblings-Schreiborte", sagt Friedel. An erster Stelle stehe der Flechtinger Park. "Der ist mein absoluter Märchen-Park." Natur sei für sie mehr als nur Ort der Erholung. "Würde man mich nach Gott fragen, lautete die Antwort `Mutter Natur`", sagt sie. Manchmal setzt sie sich zum Schreiben auch an die Flechtinger Kirche oder einfach an den Küchentisch, "mit Blick auf ein von meiner Schwester gemaltes Bild".

Die Kunst scheint in der Familie zu liegen. Der jüngste der drei Söhne versucht sich mit 16 Jahren bereits an Prosa. Ihre Begeisterung für das geschriebene Wort auch an andere Kinder weiterzugeben, sei ein Herzenswunsch. "Ich hatte mit 14 Jahren schon den Bücherschrank meiner Eltern verschlungen. Ich brenne dafür. Damit möchte ich besonders junge Menschen anstecken."

Das i-Tüpfelchen wäre ein eigenes Kinderbuch. "Zwei fertige Geschichten habe ich schon im Schreibtisch liegen", sagt Friedel. Ihr fehlte nur noch jemand, der zu ihren Worten Illustrationen aufs Papier bringt.

Zu einem Thema ihrer Wahl können Hobbyautoren bis zum 30. April Gedichte einreichen. Die Teilnahmebedingungen und das Teilnahmeformular sind im Internet abrufbar unter:
www.gedichte-bibliothek.de.

Bilder