Magdeburg l Den russischen Präsidenten kabarettistisch auszuschließen, wäre auch eine Sünde gewesen, denn dann hätten einige der hinreißenden Zwiegespräche zwischen Marion Bach und Heike Ronniger nicht stattfinden können. Die beiden Protagonistinnen sind nicht nur Besitzerin und Personal des von Gästen weitestgehend verschonten Hotels "Deutsches Haus" in einer ebenso von Menschen weitestgehend entleerten Gegend in Wolmirsdorf, sondern auch der komplette G-8-Gipfel mit sämtlichen Lobbyisten, Beratern, Sicherheits- und Polizeibeamten, Demonstranten und Touristen.

Zusammen mit dem köstlichen Oliver Vogt, der als Radio-Staumelder, Erklärer, Tourist und vor allem glänzender Pianist weitere der zahllosen Rollen übernimmt, überrollt das Hotel ein politischer Tsunami.

Doch der Reihe nach. Den G-8-Gipfel als "Ausdruck der neuen deutschen Bescheidenheit" vom Nobel-Bayern in die ostdeutsche Pampa zu verlegen, findet den Beifall aus Amerika, und Rußland bedankt sich artig, trotz der Querelen wegen des Gases von Frau Merkel eingeladen zu sein. Die Wahl fällt auf Wolmirsdorf und das "Deutsche Haus", auch weil es sich dank kaum vorhandener Menschen gut sichern lässt.

Novum: Regie außer Haus

Heike Ronniger, Diplom-Journalistin mit einer halben Praktikantenstelle bei einer großen deutschen Tageszeitung, verdient sich als Hotel-Reinigungskraft das Geld zum Leben, ihre Chefin Marion Bach alias Martina Bachmann ist genauso optimistisch und einfallsreich wie pleite. Aber zwei so starke Frauen kapitulieren nicht vor solchen Herausforderungen und lernen schließlich, wie man zwischen Frühstück und Dessert die dringenden Fragen dieser Welt erledigt.

Die Leipziger Autoren Frank Voigtmann und Robert Schmiedel haben das Stück geschrieben, selbst die Regie wurde außer Haus mit Dominik Paetzholdt besetzt. Das ist ein Novum für die "Magdeburger Zwickmühle", in der bislang nichts ohne Impresario Hans-Günther Pölitz ging. Da wunderte es nicht, dass hier und da zu hören war: "Und wo ist der Pölitz? Tritt der gar nicht auf?"

Und erstmals wurden auch die Kabarett-Nummern in eine Gesamthandlung wie in ein Theaterstück eingebettet. Das ist ein überaus reizvolles Experiment, das aber auch Gefahren birgt. Volkstheater oder politisch-satirisches Kabarett - das ist hier die Frage.

Potpourri nationaler Eigenheiten

Dass beides möglich ist, hat das Triumvirat der beiden Damen und Oliver Vogt eindrucksvoll bewiesen. Insbesondere der Teil des Programms, in dem die acht Granden der Weltpolitik ihren Auftritt haben, ist ein Kabinettstück aus unbändiger Spielfreude, großem Komödiantentum und beißender Satire.

Marion Bach und Heike Ronniger können hier alle Register ziehen. Sie verwandeln sich in enormer Schnelligkeit unter den Fahnen der großen Acht in deren mehr oder minder beliebte Repräsentanten, um mit musikalischer Unterstützung von Oliver Vogt einen Potpourri von Nationalhymnen und nationalen Eigenheiten abzufeuern, der zu offenem Szenenapplaus hinriss.

Absolute Höhepunkte sind die musikalischen Einlagen. Hier stimmen die Auswahl der Titel, die Choreografie und die grandiosen Texte wie selten. Wenn Oliver Vogt singt "Ich würd´ ja gern die Welt retten" oder die beiden Protagonistinnen frei nach Max Raabe "Für Deutschland ist das kein Problem", dann hält es das Publikum kaum noch auf den Stühlen.

"Ausgebucht für eine Macht" ist ein Programm, das ein volles Haus garantiert, denn mit Witz, Charme, beißender Satire und vor allem großer Unterhaltung haben die G3 dem G8 locker die Schau gestohlen.

Weitere Vorstellungen täglich bis 31. März und im April.