Schöbel in Zerbst

Frank Schöbel (71) ist auch im 52. Jahr seiner Bühnenkarriere unterwegs zu seinen Fans. Anfang März erschien sein neues Album "Sternenzeiten", am 12. April ist er im Zuge seiner gleichnamigen Tour in der Zerbster Stadthalle (Schlossfreiheit 12) zu Gast. Ab 16 Uhr wird er im Katharina-Saal seine neuen und alten Hits zum Besten geben. Karten gibt es ab 35,15 Euro (zzgl. VVK-Gebühr) in den Volksstimme-Service-Centern und bei der biber-Ticket-Hotline unter der Rufnummer: (0391) 599 97 00.

Schlager-Ikone Frank Schöbel (71) hat morgen vor genau 52 Jahren seine Bühnenkarriere begonnen. Und auch in diesem Jahr veröffentlicht er ein neues Album - "Sternenzeiten". Über Titel, Intentionen und die Zukunft sprach Karolin Aertel mit ihm.

Volksstimme: "Sternenzeiten" ist ein Titel, der das Phänomen thematisiert, jemanden zu treffen, den man schon ewig zu kennen scheint. Gibt es so jemanden auch in Ihrem Leben?
Frank Schöbel: Bestimmt. Es gibt Leute, mit denen muss man nicht viel reden, da ist die Antwort schon da. Allerdings denke ich über so etwas nicht nach, dafür bin ich zu sehr Realist. Mir reicht es schon, wenn ich mit jemandem schwinge.

Volksstimme: Die Sterne tauchen bei Ihnen in verschiedenen Liedern wie "Deine Augen sind wie Sternenlicht" oder auf "Du bist vom anderen Stern" auf. Schauen Sie denn oft in die Sterne?
Schöbel: Klar schaut man mal hoch und träumt sich weit weg - ist ja wunderschön. Aber ich lebe lieber im Hier und Heute.

Volksstimme: "Dein Tag war nicht gut" ist ein Titel für jene, für die das Glas halbleer und nicht halbvoll ist. Sind Sie denn ein Optimist?
Schöbel: Bei mir ist das Glas immer halbvoll. Allerdings treffe ich viele Leute, bei denen das eben nicht der Fall ist. Ich kenne Menschen, die bewusst den Kopf hängen lassen und so um Aufmerksamkeit ringen. Das zieht Kraft. Für diese Menschen ist der Titel gedacht.

"Oft bekommt man Texte angeboten, die kalter Aufguss von Liebe, Leid, Heiterkeit sind. Dieser Text ist anders."

Volksstimme: Und wenn Sie mal den Kopf hängen lassen? Wer sorgt dafür, dass das Glas wieder halbvoll ist?
Schöbel: Das muss man schon selber machen. Meistens reicht\'s, wenn man eine Nacht drüber schläft. Aber manchmal hat man eben einen Tag, an dem man nachdenklich ist. Am besten ist`s dann, wenn man das ganze Leben eher wie ein Kabarett sieht.

Volksstimme: In "Mut zum Mut" schlagen Sie ernste Töne an. Was steckt dahinter?
Schöbel: Oft bekommt man Texte angeboten, die kalter Aufguss von Liebe, Leid, Heiterkeit sind. Dieser Text ist anders. Er ist zwar nicht von mir, sondern von Bernd Meinunger geschrieben worden, aber ich stehe voll dahinter und bin froh, dass ich so ein Lied auf meinem Album habe.

Volksstimme: Sie persiflieren in Ihrem Titel "Alles ist Bio" den Biowahn. Warum? Sind Sie etwa ein Gegner von Bioprodukten?
Schöbel: Nein, ich würde gern Bio kaufen - wenn ich wüsste was. Ich will nicht, wenn ich einkaufen gehe, vorher studieren müssen. Es gibt elf Biosiegel, neun Verbände und was weiß ich nicht alles. Ich würde mich freuen, wenn es ein Biosiegel geben würde - aber das verlässlich.

Volksstimme: Sie besingen in dem Titel "Hast du deine Tabletten genommen?" die Vergesslichkeit. Was suchen Sie denn regelmäßig?
Schöbel: Mir passiert das selten? Ich bin sehr organisiert. Ich habe eine Tasche, in die ich blind reingreifen kann und weiß, wo was liegt.

"Auf jeden Fall steckt in mir ein Rocker. Mir nimmt` s nur keiner ab."

Volksstimme: Auf Ihrem Album befindet sich ein Bonus-Song, der so gar nicht zu den vorherigen Titeln passt. Sie singen eine Rammsteinversion von "Die Sprache der Liebe ist leis". Warum wagen Sie diesen Stilbruch?
Schöbel: Diesen Titel hat mir meine Band vor über zehn Jahren zum Geburtstag geschenkt. Das fand ich so irre, dass ich das selber singen oder besser sprechen wollte. Das habe ich vor zwei Jahren auf meiner Tour gemacht. Ich habe eine große Freude, wenn`s knallt und kracht.

Volksstimme: Heißt das, in Ihnen steckt eigentlich ein Rocker?
Schöbel: Auf jeden Fall steckt in mir ein Rocker. Mir nimmt`s nur keiner ab. Manchmal muss das Böse raus.

Volksstimme: Was macht für Sie heute guten Schlager aus?
Schöbel: Dass er zeitgemäß ist, den Leuten aufs Maul schaut. Heutzutage braucht er sicher ein gutes Kleid - also ein gutes Arrangement. Es muss technisch gut aufgenommen sein und die Leute müssen sich wiedererkennen. Er sollte Themen behandeln, die Spaß oder Mut machen.

Volksstimme: Sie sind 71 Jahre alt. Wirken jedoch wesentlich jünger. Was ist Ihr Geheimnis?
Schöbel: Es ist ein Konglomerat aus allem Möglichen. Zuerst muss ich meinen Eltern für die guten Gene danken. Der Rest ist Liebe, Sport und Musik.

Volksstimme: Sport? Wie halten sie sich fit?
Schöbel: Ich spiele in Berlin in einer Ü-70-Mannschaft des Vereins Eintracht Mahlsdorf Fußball. Demnächst sogar gegen die Alten von der DDR-Nationalmannschaft. Und da die keinen Torwart haben, muss ich bei ihnen einspringen.

"Ich habe ehrlich gesagt gar keine Zeit, ans Aufhören zu denken."

Volksstimme: Seit 52 Jahren stehen Sie auf der Bühne. Denken sie manchmal ans Aufhören?
Schöbel: Ich habe ehrlich gesagt gar keine Zeit, ans Aufhören zu denken. Ich habe eine Band, deren Zugpferd ich bin. Da kann ich nicht einfach aufhören. Außerdem steht noch viel an.

Volksstimme: Zum Beispiel?
Schöbel: Ende des Jahres machen wir eine "Weihnachten in der Familie"-Abschiedstour, weil Aurora Lacasa aufhören will. Nächstes Jahr steht auch noch einiges an.

Volksstimme: Wann würden Sie überlegen, vielleicht doch aufzuhören?
Schöbel: Wenn keiner mehr zu den Konzerten kommt.

Volksstimme: Am 12. April spielen Sie mit ihrer Band in der Zerbster Stadthalle. Was erwartet die Besucher bei Ihrem Konzert?
Schöbel: Im ersten Teil stelle ich meine neue Platte vor. Im zweiten wird es ein Best of der alten Platten geben. Ich erzähle ein bisschen was zur Entstehungsgeschichte der Titel und der Cover.