Magdeburg l Vor knapp einer Woche wurde Adel Tawil bei der Musikpreisverleihung mit dem Echo ausgezeichnet - als bester Nachwuchsstar. Am Montag stand der Preisträger vor begeisterten Fans auf der Bühne der Magdeburger Getec-Arena.

Tawil beginnt den Konzertabend mystisch. Das Licht ist aus, nur ein Spot bescheint eine Ecke. Die Bühne ist noch mit schwarzem Stoff verhangen. Ein Flügel steht. Eine elegante junge Frau sitzt am Klavier und eröffnet die Show mit dem Song "Durch die Dunkelheit" aus Tawils neuem Album "Lieder".

Der Künstler selbst ist nicht zu sehen - erst nach der zweiten Strophe fallen die Vorhänge und Adel Tawil steht im Rampenlicht.

Nachwuchsstar ist schon ein "alter Hase"

Spätestens jetzt wird klar: Tawil ist schon lange kein Nachwuchskünstler mehr. Der Preis in dieser Kategorie scheint nicht nur auf den ersten Blick unpassend, schließlich steht der Künstler schon seit über zehn Jahren auf der Bühne, zwar in verschiedensten Musikprojekten, aber doch immer erfolgreich: 1997 startete er mit der Boygroup "The Boyz" durch, seit 2004 ist er mit Sängerin Annette Humpe unter der Bandbezeichung "Ich + Ich" bekannt und erfolgreich. Und letztendlich hält er nun schon den dritten Echo in der Hand.

Dennoch, als Adel Tawil ist er ein Newcomer. Seit er in den Neunzigern ins Musikgeschäft eingestiegen ist, ist seine aktuelle "Liedertour", mit der er noch bis September quer durch Deutschland tourt, sein erstes Projekt als Solokünstler. Wahrscheinlich hat sich sein Name deshalb noch nicht ins Gedächtnis der Menschen eingeprägt. Das Publikum in der Getec-Arena jubelte dem Star zwar lautstark zu, dennoch blieben viele Karten unverkauft und viele Plätze leer.

Doch Tawil ist Profi genug, um den Fans, die ihm zujubelten, einen unvergesslichen Abend zu bereiten. Er singt Songs wie "Willst du diesen Mann weinen sehen", geht ins Publikum, schüttelt die Hände der Fans, plaudert von seiner Flugangst oder seiner Zusammenarbeit mit Annette Humpe und anderen Stars.

Keine Tiere in Adel Tawils Liedern

Und dann wird er ernst. Ganz ernst. So ernst, dass in der Konzerthalle kurzzeitig ungewohnte Stille herrscht - auch das muss ein Künstler erstmal schaffen. Er will endlich ein uraltes Missverständnis aus der Welt schaffen: "In singe wirklich nicht von Hamstern!", sagt er und meint das Lied "Pflaster". Dort heißt es: "Es tobt der Hass da, vor meinem Fenster." So wie er es singt, klingt es leicht nach "es tobt der Hamster vor meinem Fenster", sogar noch, nachdem er das Missverständnis aufgeklärt hat.

Doch die Zeiten, in denen Adel Tawil als One-Hit-Wonder galt (bei "The Boyz") sind längst vorbei. Der Musiker überzeugt mit gewohnt poppig-souligen Melodien, melancholischem Synthpop und einer fetzigen Rap/Reggae-Mischung. Sein Publikum schwingt begeistert mit und bringt die Arena zum Leuchten, allerdings nicht mehr mit dem Feuerzeug, sondern supermodern und digital mit der Taschenlampen-App auf dem Smartphone.

Eine Bildergalerie zum Konzert in Magdeburg und die Auflösung, welche Stars sich in Tawils Titel "Lieder" verstecken, finden Sie unter: www.volksstimme.de/lieder