Magdeburg l Jojo, an der Schwelle zum Erwachsenwerden, hat keine Wünsche ans Leben. Allein gelassen von seinen Eltern, wartet er einfach ab. Das bringt die Fee Anita zur Verzweiflung. Schließlich lebt sie vom Wünscheerfüllen, und wo die fehlen, gibt`s keine Einnahmen. Pech gehabt - Hartz IV für Fabelwesen.

Anita ist fassungslos. Wie soll sie sich bei all dem Frust auch noch um Jilette, ihre demente Mutter, kümmern? Spontan bietet Jojo an, bis Mitternacht auf "die Omi" aufzupassen. Das ungleiche Paar versteht sich auf Anhieb. Denn beide sind Grenzgänger, der eine am Beginn des Lebens, die andere an dessen Ende.

Eine Welt voller verrückter Fabelwesen

"Am Rande der Welt" treffen sie sich, dort, wo Realität und Traum aufeinanderprallen. Jilette hat Angst vorm Sterben, Jojo verfolgt "die große Angst" davor, das ganze Leben tot zu sein. Als Jilette auf einmal spurlos verschwindet, beginnt für Jojo eine aberwitzige Reise, bei der er den Märchenfiguren und Superhelden seiner Kindheit begegnet. Die aber sind seltsam deformiert, aber allen ist eines gemein: Sie sind genauso einsam und allein gelassen wie Jojo.

So trifft er auf den seltsame Chansons singenden Batman, auf Hänsel mit Alkoholproblem, ein dick gewordenes Schneewittchen und auf Aschenputtel, das mit sich und seiner verkorksten Kindheit hadert. Allesamt gehen sie bei den Zwillingen Ismir und Isdir Übel ein und aus, dem einen gehört die Klinik für Alkoholentzug und Aktives Zuhören, dem anderen die Kneipe gegenüber. Die bis ins Groteske verzerrten Kindheitsfiguren bringen Jojo schließlich auf den richtigen Weg, nämlich den zu seinem Herzen, wo er die demente Ersatzoma wiederfindet.

Eine lakonische, fast sarkastische Sprache, gekoppelt mit poetischen Bildern voller Fantasie machen das Stück in der Inszenierung von Moritz Sostmann zu einer hochemotionalen, aber immer auch sehr unterhaltsamen Reise auf dem Weg zum Erwachsenwerden.

Der schwere Weg ins Erwachsenwerden

Leonard Schubert verleiht seinem Jojo wunderbare Facetten, von einem vor aufgesetztem Selbstbewusstsein strotzenden Bengel bis hin zum verunsicherten Pubertierenden ("Du vergisst doch alles, was ich dir sage, Omi?"). Claudia Luise Bose gibt eine wunderbar rotzige Fee und führt gleichzeitig die am Leben hängende, demente und deshalb wohl um so scharfsinnigere Mamafee-Puppe Jilette. Gleichzeitig erweckt sie zusammen mit Lennart Morgenstern die ungezählten weiteren Figuren zum Leben. Klemens Kühn versieht die kleine Bühne im Puppentheater mit einem verspiegelten Eingang und dem sinnigen Spruch "Du, der du hier eintrittst, denk nach über dein Leben."

Drinnen gibt´s ein wandelbares Varieté-Brettl. Rote Samtvorhänge, die man vom Theater aus Kindertagen kennt, kleiden die Herzkammern aus, in denen die Ersatzomi den Jungen anfeuert, endlich mit dem Leben zu beginnen - ein Höhepunkt der Inszenierung!

Der Autor sagte über sein Stück: "Ich wollte zum Ausdruck bringen, dass der Traum ebenso konstruktiv ist wie die Aktion, und die Fiktion ein Mittel, die Realität zu verschärfen."

In der Inszenierung des Puppentheaters ist dies uneingeschränkt gelungen.