Magdeburg l Sie sitzt hinter ihrem Regietisch in einem Raumerweiterungsbau und verfolgt konzentriert die Szene auf der Bühne. "Der gestiefelte Kater" steht auf dem Probenplan des Holzhaustheaters, das hier in Zielitz sein Domizil hat. "Du bist ein toller Typ! Komm zeig uns das auch" fordert sie den siebzehnjährigen Darsteller auf. Die Szene wird wiederholt und genau jetzt ist er wirklich der tolle Typ, der das Herz der jungen Prinzessin erobern wird und den die Schauspiellehrerin Sigrid Vorpahl sehen wollte.

Trotz aller Ernsthaftigkeit, es wird viel gelacht während der Probe. Die studierte Theaterwissenschaftlerin und jetzige künstlerische Leiterin und Chefregisseurin des kleinen Theaters weiß wie man mit Schauspielern umgeht. Denn bevor sie zur "Holzhauschefin" wurde, hat sie jahrelang am Theater Magdeburg als Regisseurin gearbeitet.

In den frühen Neunzigern zieht es sie nach Zielitz und hier beginnt für sie auch das Abenteuer Holzhaustheater. Allerdings eher zufällig und im heimischen Garten. "Mehr aus Spaß haben mein Mann und ich in unserem Garten einige Szenen einstudiert. Die Nachbarn haben das gesehen und dann wollten die alle mitspielen. So hat sich dann unsere erstes Ensemble gefunden", erzählt sie von den Anfängen. Unter den theaterbegeisterten Zielitzern sind auch von Anfang an Kinder und Jugendliche. Für sie ein großer Glücksfall und eine Herausforderung zugleich. "Ich wollte schon immer mit Kindern und Jugendlichen Theater machen. Aber ganz ohne schauspielerische Grundlagen geht das nicht." Zu den Grundlagen gehören für sie Sprecherziehung, Rollenfindung und Bühnenpräsenz genauso, wie das Entdecken des eigenen Selbstbewusstseins.

In Übungen und Seminaren erlernen die jungen Talente die ganze Palette des schauspielerischen Handwerks.

Seit 2003 unterrichtet sie vier Gruppen mit jeweils zehn Teilnehmern im Alter von 6-17 Jahren. Mit großem Erfolg. Fast alle jungen Schauspieler stehen auch bei den aktuellen Stücken des kleinen Theaters mit auf der Bühne. "Das ist mir wichtig. Nicht nur immer üben, üben, üben. Einfach mal auch raus auf die Bühne und sich dem Publikum stellen." Denn Schauspiel lernt man nach Meinung von Sigrid Vorpahl am ehesten auf der Bühne, vor den Augen des Publikums. "Diese Erfahrung ist durch keine Übung zu ersetzen", erklärt sie ihr Lehrkonzept. Auch einen positiven Nebeneffekt kann sie bei ihren Schülern ausmachen. Den Mut sich auch mal auf der Bühne zum "Affen" zu machen, über die eigenen Schamgrenzen hinwegzugehen, der ist natürlich auch für die persönliche Entwicklung der jungen Menschen ganz vorteilhaft. Die Teenager, die bei uns spielen, sind auch im "normalen" Leben alles ganz couragierte junge Menschen."

Sigrid Vorpahl hat sich mit ihrer Schauspielschule und dem Holzhaustheater schon einige Lebensträume erfüllt. Ihr größter Traum ist es aber, in der Gemeinde am Fuße des "Kalimandscharo" ein "Dorftheater" zu gründen. Die Pläne stehen. Die Architektenzeichnungen sind fertig, die Baugrube bereits ausgehoben. Bis das Theater allerdings in das neue Haus mit richtiger Probebühne und professioneller Licht- und Tonanlage umziehen kann, wird noch einige Zeit vergehen. So lange spielen und proben die Mitglieder des Holzhaustheaters noch in ihrem "Schuhkarton".

Im Sommer werden auf dem Gipfel des "Kalimandscharo" wieder zwei neue Stücke zur Premiere kommen. "Die Olsenbande sucht Bernie sein Zimmer" und "Der gestiefelte Kater". Mit dabei - natürlich auch die Jugendlichen und Kinder aus der Kinderschauspielschule von Sigrid Vorpahl.