Berlin/Kopenhagen | Das Berliner Damen-Trio Elaiza wird mit seinem Song "Is it right" am 10. Mai Deutschland beim Eurovision Song Contest (ESC) in Kopenhagen vertreten. Volksstimme-Redakteurin Christin Käther sprach mit Yvonne Grünwald, der Akkordeonistin von Elaiza, die ihre Wurzeln in der Altmark hat, über diese aufregende Zeit.

Volksstimme: Ihr seid mit dem Gewinn des Vorentscheids zum Eurovision Song Contest quasi über Nacht berühmt geworden. Wie fühlt es sich an, plötzlich im Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu stehen?
Yvonne Grünwald: Wir finden nicht, dass wir berühmt sind wie Stars oder Promis. Es wird manchmal so in der Öffentlichkeit dargestellt. Aber wir sind immer noch genau so, wie wir vorher waren. Es gibt nun zwar viele Leute, die Interviews und Fotos machen wollen, und wir haben neuerdings auch Fans, die unsere Musik toll finden. Wir finden aber nicht, dass wir so dermaßen in der Öffentlichkeit stehen. Wir werden zu dritt schon mal auf der Straße erkannt, zumal Ela ja eine markante Frisur hat. Aber bei jedem für sich allein ist das eigentlich nicht der Fall.

Volksstimme: Ihr seid die meiste Zeit zusammen unterwegs. Da braucht ihr ab und zu doch bestimmt mal Zeit für euch selbst?
Grünwald: Ja, natürlich. Und das ist auch gut so. Wir sind drei unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Ansichten. Dementsprechend kann jemand, wenn er eine Pause braucht, sich die Zeit auch nehmen, um mal ein paar Minuten um den Block zu gehen oder so. Auf jeden Fall nehmen wir uns auch die Zeit für uns selbst. Wir lassen uns da überhaupt nicht stressen. Uns ist es ganz wichtig, dass wir zusammen frühstücken oder Mittag essen und dass wir abends mal alleine sein können.

Volksstimme: Vor dem Ausscheid zum Eurovision Song Contest hast du unter anderem Musikunterricht gegeben. Wie viel Zeit bleibt dir dafür jetzt noch?
Grünwald: Für den Unterricht blieb seit dem Vorentscheid im März leider keiner Zeit mehr. Aber die Musikschule hat mittlerweile eine Vertretung für mich gefunden, so dass der Unterricht weitergehen kann. Ich wollte die Schüler auf keinen Fall hängen lassen.

Volksstimme: Ihr seid ja jetzt sehr viel unterwegs ...
Grünwald: Wir waren in den letzten Wochen auf Radio-Promotour in ganz Deutschland. Da ist natürlich viel im Busch. Aber das Verrückte ist, wenn man an einem Tag in vier Städten ist, dann kommt man schon mal ein bisschen durcheinander. Da wacht man morgens auf und denkt: Moment, wo bin ich jetzt gerade? Dann muss man kurz nachdenken, aber das ist dann eigentlich auch kein so großes Problem.

Volksstimme: Aber das ist doch bestimmt auch sehr aufregend, oder?
Grünwald: Ja, na klar! Ich meine, wir sehen zwar in so kurzer Zeit nicht viel von den Städten. Wenn wir zum Radiosender fahren, dann geht es auch direkt da hin. Dann bleibt leider keine Zeit für eine Stadtbesichtigung. Auf einer Tour sieht es schon anders aus. Da hat man vor Ort ein bisschen mehr Zeit und kann sich unter anderem die Stadt angucken bis zum Soundcheck. Aber das ist jetzt eben die heiße Phase, weil sich die Medien gerade sehr interessieren, wie es bei uns vorangeht vor Kopenhagen.

Volksstimme: Warst du seit dem Ausscheid mal wieder zu Besuch in deiner Heimatstadt Arendsee?
Grünwald: Nein, leider noch nicht. Ich bin aber auch nicht der Mensch, der jedes Wochenende nach Hause fährt. Das war noch nie so. Ich habe eigentlich immer viel zu tun in Berlin, auch am Wochenende. Da ist es oft so, dass meine Eltern dann zwischendurch zu Besuch kommen. Aber ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch in der Heimat.

Volksstimme: Der Bürgermeister von Arendsee ist ja sehr stolz auf deinen Erfolg ...
Grünwald: Ja, das freut mich. Das habe ich schon gelesen!

Volksstimme: Es soll am 10. Mai sogar ein Public Viewing auf dem Marktplatz geben, wo verschiedene Bands auftreten sollen und die Sendung live übertragen wird.
Grünwald: Ja, das finde ich sehr cool. Darauf bin ich wirklich sehr stolz.

Volksstimme: Es sind nur noch drei Wochen bis zum ESC. Wie bereitet ihr euch auf den Auftritt in Kopenhagen vor?
Grünwald: Wir fahren am 3. Mai nach Dänemark. Wir überlegen natürlich, wie es mit der Bühne ist, was man da noch machen könnte. Denn wir haben ja noch nie auf so einer Riesenbühne gespielt. Die ist ziemlich breit und hat einen Wassergraben drumherum. Da kann man natürlich auch alles erst direkt vor Ort entscheiden, zum Beispiel wie man sich hinstellt, wie man die Bühnentechnik verwendet. Wir versuchen, uns nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Und wir müssen noch überlegen, was wir anziehen. Da müssen wir immer genau gucken, was zueinander passt.

Volksstimme:
Ihr tretet am 10. Mai vor einem Millionenpublikum auf. Wie sieht es da aus mit Lampenfieber?
Grünwald: Der Punkt ist ja, dass man nicht sieht, dass man vor einem Millionenpublikum spielt, sondern dass man "nur" das Publikum in der Halle vor sich hat. Es war schon ziemlich krass für uns, in der Lanxess Arena in Köln aufzutreten. Da waren ungefähr 6000 Menschen. Das war schon unfassbar, wenn man da nach oben zu den Rängen geguckt hat. Das war einfach total unglaublich, wie alle mitgegangen sind. Und in Kopenhagen passen ja noch mehr rein. Aber wenn man auf der Bühne steht, blendet man aus, dass man vor so einem Riesenpublikum spielt. Wir versuchen, es zu genießen und unsere Spielfreude auf die Leute zu übertragen.

Volksstimme: Hast du die anderen Beiträge schon einmal gehört?
Grünwald: Einige habe ich schon gehört. Zu Ostern werde ich mir die anderen auch noch mal ganz genau anhören. Das sind ja ziemlich viele. Jedes Land ist anders, jeder Song hat einen anderen Stilcharakter und eine andere Performance. Das ist total spannend. Darauf freuen wir uns sehr, dass wir die Künstler der anderen Länder in Kopenhagen treffen können. Die Olsen Brothers (dänische ESC-Gewinner von 2000, Anm. d. Red.) haben uns letzte Woche Talismane bei der TV-Sendung von Carmen Nebel mitgegeben. Die haben gesagt, wir sollen es genießen und haben uns viel Glück gewünscht. Wir sehen das nicht nur wie eine Riesenparty, wie alle immer sagen, sondern wie ein Zusammentreffen von vielen Musikern, mit denen man sich austauschen kann.

Volksstimme: Hast du jemanden in Kopenhagen zur Unterstützung dabei?
Grünwald: Ich nehme ein paar Freunde mit.

Volksstimme: Wie geht es für euch nach dem ESC weiter? Geht Elaiza auf Tournee?
Grünwald: Es sind schon einige Konzerte für den Sommer geplant. Im Herbst ist auch eine längere Tour geplant. Momentan reisen wir ja viel durch die Gegend, spielen aber nicht. Das ist aber das, was uns am meisten Freude macht. Deswegen freuen wir uns, wenn wir nach Kopenhagen mal wieder für ein ganzes Konzert auf der Bühne stehen können.