Magdeburg l In Magdeburg ist er bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Er ist Kinobetreiber, Architekturfanatiker, Kulturarbeiter und Professor für Psychologie am Fachbereich Soziale Arbeit an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Bei letzterem muss man jedoch sagen: Er war es. Denn am Montag gab der von den Studenten und Kollegen "Kinoprofessor" genannte Wolfgang Heckmann (68) seine Abschlussvorlesung in seinem Oli-Kino in Magdeburg.

1992 zog es Wolfgang Heckmann zurück nach Sachsen-Anhalt. Der in der Altmark Geborene folgte dem Ruf der Hochschule Magdeburg, die sich gerade im Aufbau befand. "Eine interessante Aufgabe. Im Osten war Psychologie Herrschaftswissenschaft, Soziale Arbeit gab es nicht und beides sind schon immer meine Tätigkeitsfelder gewesen. Und für beides konnte ich hier Studiengangkonzepte entwickeln", erinnert er sich.

Nur drei Monate nach seiner Geburt lebt Heckmann in Schernebeck bei Tangerhütte und weiß selbst, dass sich in dieser Zeit keine Heimatbindung ausprägen kann. Aber trotzdem: "Es war wie nach Hause zu kommen. Es ist die Mentalität der Menschen hier, die mich mein ganzes Leben lang fasziniert hat." Spargelanbau und Pferdezucht sind seiner Meinung nach verantwortlich für die drei Hauptgemütszustände der Altmärker: Gelassenheit, noch mal Gelassenheit und Neugier. "Als Altmärker bist Du ständig am Warten. Darauf, dass der Spargel wächst oder die Pferde Fohlen kriegen. Und Du bist neugierig auf alles andere, was außerhalb der Altmark passiert."

Als Pensionär mehr Zeit, um Oli-Kino mit Leben zu füllen

Die Gelassenheit bei Heckmann ist eher innerer Natur. Denn als Kinobetreiber und Kultursüchtiger ist er ständig unterwegs. Als er das von Karl Krayl erbaute Oli-Kino auf der Olvenstedter Straße in Magdeburg kaufte, war ihm von Anfang an klar, dass er den unvollendeten Bau im Stile der Bauhausarchitektur vollenden wird. Jetzt steht die Fassade so, wie sie Anfang der dreißiger Jahre geplant war. Als Pensionär freut er sich schon darauf, den Bau nun mit kulturellem Leben zu füllen. Noch mehr als bisher. Was anderen Pensionären die Briefmarkensammlung ist, sind für Heckmann die Klassiker der Filmmoderne, Musik und Theater.

Die Liebe zur Filmkunst und Literatur existiert bei Heckmann bereits seit seiner Gymnasialzeit. Damals beeindruckte ihn Camus´ "Die Pest" nachhaltig. Das Buch hätte ihn durch sein erlebnisreiches Berufsleben begleitet. Und so war die letzte Vorlesung des Posaune spielenden Psychologen mit dem Titel "Camus - wiedergelesen" ganz klar eine biographische Reminiszenz.

Wenn man wie Heckmann ein erfülltes und erfolgreiches Berufsleben hinter sich hat, fällt es schwer, sich einfach zu verabschieden. Und deshalb trainiert er erstmal langsam ab. "Natürlich habe ich jetzt mehr Zeit für meine Plattensammlung und meine Bücher. Aber trotzdem. Ich bleibe aktiv!" Aktiv für die Belange seiner Mitmenschen. "Ich kann zwar nicht mehr unterrichten. Aber ich kann natürlich mein Wissen weitergeben und wenn ich gebraucht werde, bin ich da."

Weiterhin als Psychologe im Verkehrssicherheitsbeirat aktiv

Gebraucht wird er derzeit besonders als Psychologe im Verkehrssicherheitsbeirat des Landes, in dem er der Arbeitsgruppe "Mensch und Technik" vorsteht. Denn als Psychologe weiß er, wie er "die Leute dazu kriegt, es cool zu finden, Helme zu tragen, wenn sie Fahrrad fahren", erklärt er schmunzelnd. Die letzte Lehrstunde des Professors Heckmann bedeutet zwar den Abschied von der akademischen Arbeit, ein letzter Vorhang im Sinne des berühmten Frank-Sinatra-Songs "my way" ist das allerdings mitnichten.