Stendal l Eine bessere Gelegenheit für einen kleinen Stadtrundgang konnte sich Stendals Wahrzeichen nicht aussuchen. Bei strahlendem Sonnenschein schreitet Ritter Roland mit seiner angebeteten Kunigunde höchstpersönlich durch die Breite Straße und fordert die Passanten auf, den beiden nach Saragossa zu Karl dem Großen zu folgen. Und wenn nicht gleich bis nach Spanien, dann vielleicht zumindest bis in die Karlstraße, zum Theater der Altmark (TdA).

Dieses zeigte sich nämlich für die Aktion am Freitagnachmittag verantwortlich, welche die Stendaler auf das Open-Air-Stück "Ritter Roland" einstimmen sollte. Am 20. Juni feiert die Aufführung Premiere und wird kurz danach drei weitere Male gegeben.

"Das wird der spektakuläre Abschluss unseres Spielzeitmottos `Heimat`", kündigte Intendant Alexander Netschajew an. "Was würde sich da besser eignen als ein Stück zum Schutzpatron der Stadt?"

Viele Bürger sind dabei, zwei Hellebardenträger werden noch gesucht

"Ritter Roland" wird unter freiem Himmel dargeboten. Dabei beschränkt es sich jedoch nicht nur auf eine stationäre Bühne, sondern führt vom Marktplatz der Stadt bis auf den Theaterhof in der Hallstraße.

Eine weitere Besonderheit: Neben dem TdA-Ensemble und -Chor sind auch Bürger und Vereine Stendals in die Produktion mit eingebunden. Insgesamt treten 70 Personen als Schauspieler auf, etwa 25 weitere sorgen hinter der Bühne dafür, dass alles glattläuft. Zwei Hellebardenträger werden zurzeit noch gesucht.

"Wir proben seit einigen Wochen, aber die ersten Vorbereitungen gehen bis in den Herbst letzten Jahres zurück", verrät Regisseurin Cordula Jung über das einzigartige Mammutprojekt. Gerade würden in den Räumen der Kunstplatte die Kostüme gefertigt werden.

Die Handlung des Stückes ist inspiriert vom Rolandslied - einem Versepos aus dem 11. Jahrhundert. Zudem orientiert sich Dramaturgin Aud Merkel auch an anderen historischen Quellen und erzählt die Geschichte vom Roland, der in Saragossa vor Karl dem Großen um die Hand der schönen Kunigunde anhalten will, ohne sich dabei einer festen Vorlage zu verschreiben. "Die Inszenierung bietet Musik, Tanz, Komik, Kampf und Liebe", verspricht Alexander Netschajew und zeigt sich voller Vorfreude. Doch weist er auch auf Hindernisse hin, denen er und sein Team immer wieder begegnen.

So sei die Karlstraße vor dem Theater für den Sommer als Umgehungsstraße eingerichtet, sodass eine Aufführung auf dem Vorplatz unmöglich sein wird. Stattdessen müsse man nun auf den Hinterhof ausweichen.

Eigentlich sollte die Aufführung zudem vor der Rolandsstatue auf dem Markt beginnen. Doch hier kommt eine Baustelle in die Quere - dieser muss sogar der Roland für eine Zeitlang weichen. Ein denkbar unheilvolles Omen? Eher genau das Pech, das man braucht, damit die Premiere ein Erfolg wird.