Magdeburg l Auf der Bühne machen sich die Musiker bereit. Instrumente werden aufgebaut. Mikrofone zurechtgerückt. Der erste Akkord angeschlagen. Hinter dem Mischpult, das mit seinen unzähligen Knöpfen, Fadern und LED-Anzeigen an die Schaltzentrale eines Raumschiffes erinnert, steht Mirko Lange.

In Magdeburg nennen ihn alle nur "Mikro". "Ich habe eigentlich mehr aus der Not heraus angefangen, in einem Klub Technik zu machen. Der hieß Mikrokosmos. Und irgendwann war ich dann halt für alle nur der Mikro. Der, der die Mikrofone aufbaut." erzählt er, wie er zu seinem Spitznamen kam.

Job eines Tontechnikers ist körperlich anstrengend

Musik hat ihn schon immer begeistert. Und für ihn ist das auch eine der wichtigsten Voraussetzungen, die man braucht, um erfolgreich als Tontechniker zu arbeiten. "Der Job ist hart. Mein Tag beginnt so gegen vier, dann baue ich alles auf, checke die PA und bereite alles vor für die Musiker. Dann der Soundcheck und auch während des ganzen Konzerts bin ich hochkonzentriert am Arbeiten", beschreibt er einen normalen Arbeitstag.

Der Arbeitstag geht erst spät in der Nacht zu Ende. Denn wenn Künstler und Publikum sich an der Bar oder beim Signieren der CDs gemütlich unterhalten, ist Lange noch auf der Bühne. Kabel müssen gewickelt, Monitore abgebaut und alles ordentlich verpackt werden. "Tontechniker ist eben nicht nur ein bisschen an den Knöpfen drehen und gut aussehen. Das ist auch körperlich echt anstrengend", erzählt er schmunzelnd. Und trotzdem liebt er seinen Job. Vor allem die Abwechslung: "Seitdem ich als Soundmann unterwegs bin, höre ich auch privat ganz unterschiedliche Musik. Worldmusik, Singer-Songwriter, Rock, Blues, Chanson, oft auch von den Künstlern, die ich noch eine Nacht zuvor abgemischt habe."

"Mikro" Lange weiß genau, worauf es den Musikern ankommt. "Ich war ja selber jahrelang als Mugger unterwegs und weiß, wie gut das für eine Band ist, wenn sie einen Techniker vor Ort hat, der bemüht ist, alles so ruhig und professionell wie möglich ablaufen zu lassen." Denn je entspannter der Aufbau und der Soundcheck sind desto entspannter sind auch die Künstler. "Die sollen sich ja auf ihren Job auf der Bühne konzentrieren und nicht darauf, dass die Kabel auf der Bühne alle richtig verlegt sind", erklärt Lange seine Philosophie.

Vorstellungen der Musiker verlangen ein gutes Ohr

Lange arbeitet als Freiberufler, und trotzdem hat er seine festen Häuser in Magdeburg. Regelmäßige Besucher der Feuerwache, des Moritzhofs oder des Volksbads Buckau kennen ihn mittlerweile. "Manchmal kommen die Leute auch hinterher zu mir und bedanken sich für den guten Ton." Doch eigentlich ist er der Mann im Hintergrund. Ruhig, konzentriert und immer freundlich.

"Es ist eine Dienstleistung, darüber muss man sich immer im Klaren sein. Im Rampenlicht stehen die Künstler. Mein Job ist es, die Vorstellungen der Musiker umzusetzen." Und die können schon mal ganz schön speziell sein. "Zum Beispiel ein Instrument wie die akustische Gitarre. Der eine möchte, dass sie eher weich klingt, der andere möchte den Sound aggressiver haben. Da bist du dann auf dein musikalisches Verständnis, dein Equipment und vor allem auf deine Ohren angewiesen, um das so umzusetzen, wie der Künstler es gerne hätte".

Technik ist für den Mann hinter dem Pult schon faszinierend. Aber der Einsatz von Effekten darf für ihn nie nur Effekthascherei werden. Er muss der Musik dienen. Und da kommt ihm dann wieder zugute, dass er selber Musiker war. "Alles, was ich mache, jeder Knopf, den ich drehe, jeder Effekt, den ich benutze - all das tue ich nur, um die Essenz der Musik in den Saal zu holen." Das klingt dann irgendwie doch mehr nach Magie als nach Dienstleistung. Und deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Tontechniker oft ehrfürchtig auch Soundmagier genannt werden.