Oskar Kokoschka wurde am 1. März 1886 in Österreich geboren. Von 1905 bis 1909 besuchte er die Kunstgewerbeschule in Wien und zog anschließend nach Berlin.

Kokoschka meldete sich als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg und wurde im August 1915 bei Luzk schwer verwundet.

1917 zog Kokoschka nach Dresden, wo er Professor an der Kunstakademie wurde. Vor den Nazis floh Kokoschka nach Paris und später nach London. Nach Kriegsende zog Kokoschka erneut um, diesmal 1953 in die Schweiz.

Am 22. Februar 1980 starb Oskar Kokoschka in Montreaux. Er gilt heute als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Besonders im Bereich des Expressionismus.

Die österreichische Bundesregierung verleiht ihm zu Ehren den Oskar-Kokoschka-Preis für Leistungen auf dem Gebiet der bildenden Kunst.

Wolfsburg (dpa) l Von Beginn an ging es Oskar Kokoschka nie um die schöne Oberfläche, sondern immer um einen Blick in die Abgründe der Seele. Der 1886 geborene Maler porträtierte Künstlerfreunde, Kinder, seine Geliebte Alma Mahler sowie später seine Ehefrau Olda.

Zeit seines Lebens hinterfragte der österreichische Expressionist zudem in Selbstporträts, was der Mensch eigentlich ist, wie er es selbst ausdrückte. Unter dem Titel "Oskar Kokoschka. Humanist und Rebell" gibt das Kunstmuseum Wolfsburg bis zum 17. August einen Überblick über das Werk des von den Nazis als "entartet" verfemten Künstlers, der 1980 in der Schweiz starb.

Die Jubiläumsschau zum 20-jährigen Bestehen des Museums in der Volkswagen-Stadt versammelt rund 200 Werke Kokoschkas aus allen Schaffensperioden, darunter 55 Gemälde. Beim Rundgang betritt der Besucher Themen-Räume. So können Kinderbildnisse oder Tierporträts aus frühen Jahren mit Spätwerken verglichen werden. Das Porträt eines lässig posierenden, adrett gekleideten Geschwisterpaares aus dem Jahr 1952 steht im krassen Gegensatz zu den bleichen, eingefallenen Gesichtern der "Proletarierkinder" von 1914.

Die Hände der Menschen auf den Bildern wirken oft verkrampft, die Augen liegen in dunklen Höhlen, Knochen treten hervor. Als "Seelenaufschlitzer" bezeichnete der mit Kokoschka befreundete Schriftsteller Albert Ehrenstein dessen Stil.

In der Wolfsburger Ausstellung werden zentrale Werke aus internationalen Museen durch Leihgaben aus Privatbesitz ergänzt. Das Gemälde "Private Property" aus dem Jahr 1939 etwa zeigt eine Frauengestalt mit Katzenkopf, die in verwüsteter Landschaft vor ihrem Strickzeug sitzt. Dieses noch nie öffentlich gezeigte Bild habe Kokoschka einer holländischen Fluthilfe-Organisation zur Verlosung zur Verfügung gestellt, sagte Kuratorin Beatrice von Bormann.

"Er hat auch im Krieg zu Hilfsaktionen für Kinder aufgerufen."
- Beatrice von Bormann, Kuratorin

In Kokoschkas Biografie spiegeln sich die Geistesströmungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wider. In jungen Jahren wurde er geprägt von Sigmund Freuds Psychoanalyse und Charles Darwins Evolutionslehre. Krank vor Liebeskummer nach der Beziehung mit der Komponisten-Witwe Alma Mahler kämpfte er freiwillig im Ersten Weltkrieg.

1937 beschlagnahmten die Nazis mehr als 400 seiner Werke aus deutschen Museen. In der Schau "Entartete Kunst" wurde seine Arbeit mit der eines Geisteskranken verglichen und verhöhnt. 1938 floh der Maler nach England, 1951 ließ er sich schließlich am Genfer See nieder.

In der Nachkriegszeit saßen unter anderem Bundeskanzler Konrad Adenauer und Israels Ministerpräsidentin Golda Meir für Kokoschka Modell. Dagegen scheiterten seine Bemühungen, Berühmtheiten wie Mahatma Gandhi oder Papst Pius XII. zu porträtieren. Auch wenn er seinen eigenen Stil immer wieder veränderte und mit Farben experimentierte: Der abstrakten Kunst konnte Kokoschka nie etwas abgewinnen, denn sie lässt nach seiner Überzeugung den Menschen verschwinden.

 

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