Bela B. in Magdeburg

Bela B. Smokestack Lightnin\': Am 6. Mai, 20 Uhr, im Alten Theater Magdeburg, Tessenowstraße 11.

Karten gibt\'s ab 35,45 Euro in den Volksstimme-Service-Punkten und bei der Biber-Ticket-Hotline unter Tel. 0391/599 97 00.

Nach "Bingo" (2006) und "Code B" (2009) heißt es nun "Bye". Ärzte-Drummer Dirk Felsenheimer, alias Bela B., hat ein neues Album veröffentlicht. Begleitet von der Band Smockestack Lightnin\\\' und Peter Devlin beweist er, dass deutscher Country Spaß macht. Über die Platte und das Konzert in Magdeburg sprach Karolin Aertel bei Radio SAW mit ihm.

Volksstimme: Der Titel der neuen Platte lautet "Bye". Heißt das, Sie verabschieden sich von der Bühne?
Dirk Felsenheimer: Es wurde relativ schnell im Internet kolportiert, dass ich aufhöre, das dies meine letzte Platte sei. Aber da kann ich alle beruhigen, ich habe so einen Spaß an Musik derzeit, dass ich noch lange nicht genug habe. Vielleicht werden das andere als Drohung verstehen? Na ja, das Album impliziert jedenfalls eine Aufbruchsstimmung. Das Cover signalisiert das ja auch. Ich fahre in einem Auto, im Rückspiegel sieht man meine Augen, ich blicke noch mal zurück, bewege mich aber vorwärts. Und da ich gut erzogen bin, verabschiede ich mich noch bevor ich weg bin, um was Neues auszuprobieren.

Volksstimme: Es ist also kein Abschied, sondern ein Aufbruch. Wohin geht die Reise?
Felsenheimer: Es ist ein musikalischer Aufbruch, eine Erfahrung in der Zusammenarbeit mit großartigen Musikern wie Peta Devlin, der Band Smokestack Lightnin\\\' und anderen; eine Reise, von der ich als veränderter Mensch, als anderer Musiker und Komponist wiederkommen werde. Beispielsweise habe ich Mandoline spielen gelernt. Ich bewege mich im Americana, im Folk, und wir experimentieren auch ein bisschen mit Northern Soul.

Volksstimme: Woher rührt denn die Affinität zu Americana, Folk-Musik und Country?
Felsenheimer: Ich hörte als Kind schon Jonny Cash - erstmals nachdem ich sein Konzert "Live At San Quentin" im Fernsehen sah. Bei dem Konzert haben sie den Strom immerzu ab- und wieder angestellt - weil er einen Song spielen wollte, der leicht zur Revolte hätte führen können. Cash spielte immer weiter, das war so unbeugsam, ich war sehr beeindruckt. Außerdem bin ich für Musik sehr offen. Es sind einfache Musikstile zu nennen, die ich nicht mag.

Volksstimme: Und welche wären das?
Felsenheimer: Jazzrock, Funkrock, Musikstile, die kein Rock sind, aber sich damit vermischen vielleicht. Ich bin kein großer Fan von Reggae, wobei ich auch davon ein paar gute Platten besitze. Bei Free-Jazz hört`s bei mir auf und Schlager, wobei ich einige Schlager aus den 70ern eigentlich ganz witzig finde. Vielleicht bin ich zu offen?

Volksstimme: Country, Folk, Gipsy - da liegt nahe, dass die Platte in den Staaten entstanden ist, um das richtige Feeling transportieren zu können.
Felsenheimer: Nein. Ich musste dazu nicht extra rüberfliegen. Dafür habe ich mir mit Smockestack Lightnin\\\' Profis an die Seite geholt.

Volksstimme: Woher kannten Sie diese Band?
Felsenheimer: Die habe ich vor Jahren mal im Radio gehört. Ich habe mir den Namen aufgeschrieben, bin zu ihnen ins Konzert, habe mir die Platte gekauft und Kontakt aufgenommen und ihnen von meinen Ideen erzählt. Vor drei Jahren haben wir angefangen, diese zu entwickeln. Weil ich viel mit den Ärzten zu tun hatte, hat es eine Weile gedauert.

Volksstimme: Wie viel Autobiografisches steckt denn in der neuen Platte?
Felsenheimer: Schon recht viel. In den Liebesliedern, von denen es eine Menge gibt, stecken viele Beobachtungen und viele Empfindungen, wie und was ich über die Liebe denke. Aber es ist nicht alles wörtlich zu nehmen. Ich habe weder eine Katze versenkt - wie im Song "Teufels Küche" beschrieben - noch habe ich einen Mongolen tätowiert. Trotzdem erkenne ich mich in den Bildern wieder. Einiges ist sehr klar, anderes eher metaphorisch.

"Wenn ich etwas mache, dann mache ich das aus vollem Herzen"

Volksstimme: Es gibt Medien, die die neue Platte als Freizeitprojekt bezeichnen. Sehen Sie das ebenso?
Felsenheimer: Nein, das ist ehrlich gesagt eine ziemliche Missachtung unserer Arbeit. Wenn ich etwas mache, dann mache ich das aus vollem Herzen und nicht nebenbei. Aber ich kenne das. Das haben Leute auch schon gesagt, als ich einen Comic-Verlag zehn Jahre führte und dabei viel Geld verlor. Da hieß es dann, es sei ein Steuerabschreibungsprojekt.

Volksstimme: Haben Sie denn überhaupt so viel Freizeit?
Felsenheimer: Na ja, ich sehe Musikmachen ja nicht als Arbeit im herkömmlichen Sinne an. Momentan habe ich natürlich viel zu tun, ich promote die Platte und dann stehe ich ja auch auf der Bühne. Außerdem haben wir ein eigenes Label gegründet. Ich bin jetzt also auch noch Label-Chef und muss mehr Entscheidungen treffen, mehr arbeiten. Trotzdem achte ich auf mich und schaue, dass es nicht zu viel wird. Ich muss der Welt nicht beweisen, was ich kann und wer ich bin. Ich mache das auch nicht für Musikpreise, sondern weil es mir ein inneres Bedürfnis ist, Musik zu machen. Ich arbeite, weil ich Musik liebe.

Volksstimme: Apropos Tournee. Am 6. Mai sind Sie im Alten Theater in Magdeburg. Was erwartet das Publikum an diesem Abend?
Felsenheimer: Das Allerbeste: Ich werde Magdeburg richtig aussprechen. Man hat mich gewarnt, das lange "A" käme hier nicht so gut an. Außerdem komme ich mit großartigen Musikern. Peta Devlin und Smokestack Lightnin\\\', die auch selbst die Gelegenheit bekommen, eigene Titel zu spielen. Meine Freunde von den Dinosaurier Truckers werden im Vorprogramm dabei sein. Wir werden viel vom Album spielen, ältere Solo-Sachen von mir in neuem Gewand und illustere Cover-Versionen. Es wird ein extrem musikalischer Abend.

Volksstimme: Haben Sie Rituale vor dem Bühnenauftritt?
Felsenheimer: Ganz banal - ich putze mir vorher die Zähne. Keine Ahnung woher das kommt, ich fühle mich so einfach besser. Bei den Ärzten macht das jeder. Das haben wir schon in den 80ern getan. Falls man sich doch noch mal von der Bühne stürzt und dabei einer Frau nahekommt, will man ja gut riechen.

Volksstimme: Findet sich auf einem Bela B.-Konzert dasselbe Publikum wie bei den Ärzten?
Felsenheimer: Es gibt schon Überschneidungen, einige Fans machen es nicht von der Musik abhängig. Andererseits sagen die Leute meiner Road-Crew, dass das ab der zweiten Reihe aufhört. Aber am Ende ist es mein Publikum, egal warum.

Volksstimme: Womit können Ihnen Fans heutzutage noch eine Freude machen?
Felsenheimer: Aufmerksamkeit! Eine große Freunde machen sie mir, wenn sie beim Konzert ihre Handys und Kameras in den Taschen lassen. Es ist unangenehm, wenn die Leute auf ihre kleinen Bildschirme starren, statt zur Bühne. Das Paradoxe: Sie wollen den Moment für Youtube oder was auch immer festhalten, verpassen ihn aber in der Realität. Es ist wie eine technische Barriere zwischen mir und den Zuschauern.

Volksstimme: Wie reagieren Sie, wenn die Fans dennoch die Handys zücken?
Felsenheimer: Ich kann es ihnen ja nicht verbieten - will ich auch gar nicht. Ich bin keine Diva, die beleidigt von der Bühne zieht. Im richtigen Moment bringe ich aber auch mal eine Spitze.

Volksstimme: Ein Blick in die Zukunft: Punk mit den Ärzten, Americana, Country und Folk mit Smokstack Lightning\\\' - welche musikalischen Gefilde werden als nächstes ergründet?
Felsenheimer: Na ja, nun ist ja gerade erst das Album erschienen und wir sind auf Tour. Ideen habe ich immer. Ich hätte zum Beispiel total Lust auf eine Akustik-Platte mit Peta Devlin. In ihr habe ich einen Gegenpart, von dem ich viel lernen kann. Mal schauen, was die Zukunft bringt.