Magdeburg l Simon Kempston, ein schottischer Sänger, begrüßt jeden Gast zum Konzert mit Handschlag. Ein nettes Wort hier, ein Scherz da, dann geht es ab auf die Bühne. Wenn die Ecke des Wohnzimmers in Magdeburg-Buckau denn Bühne genannt werden kann. Auf zwei Sofas und auf dem Boden sitzen rund 20 Gäste. Manche sind den Gastgebern bekannt, andere fremd. "Es ist schon ein seltsames Gefühl, sich völlig fremde Menschen nach Hause einzuladen", sagt Nils Hoffmann. Er stellt seine Wohnung dennoch gerne zur Verfügung.

"Eigentlich ist das ja nur ein Hobby von mir." - Tina Breitkreutz, Veranstalterin

Die Wohnzimmerkonzerte werden über das Netzwerk Facebook organisiert. Alle Fäden laufen bei Tina Breitkreutz zusammen. Als begeisterte Couchsurferin (eine Internetplattform, auf der man für einige Nächte bei Fremden auf dem Sofa schlafen kann) hatte sie im vergangenen Jahr eine Australierin zu Gast. Diese bot an, ein kleines Konzert zu geben, wenn die 28-Jährige ein E-Piano organisieren könnte. Gesagt, getan und so fand im Mai 2013 das erste Wohnzimmerkonzert in Magdeburg statt.

Tina Breitkreutz fiel auf, dass in Magdeburg, anders als etwa in Jena, keine Wohnzimmerkonzerte organisiert werden. So fragte sie verschiedene Bands, ob sie daran Interesse hätten. "Mittlerweile ist das ein echter Selbstläufer", sagt Breitkreutz.

Nationale und internationale Künstler kostenlos

Bis in den September hat sie Anfragen von Künstlern. Sie treten kostenlos auf, am Ende des Konzertes geht eine Spendendose herum. Bei manchen Auftritten sind nur Freunde der Gastgeber eingeladen, bei anderen können auch Gäste von außerhalb kommen. Dabei sind nationale, aber auch internationale Künstler wie Simon Kempston oder der norwegische Elektropopkünstler Leif and the Future.

Bei den Konzerten hat Tina Breitkreutz Magdeburger Hobbyfotografen kennengelernt, die die Veranstaltungen in Bild und seit neuestem auch in Ton festhalten. "Irgendwie ist das total abgefahren, eigentlich ist das ja nur ein Hobby und so viele wollen da mitmachen", sagt Tina Breitkreutz. Alles funktioniere auf Gegenseitigkeit und aus der Freude an der Musik.

Wohnzimmerkonzerte per Facebook angekündigt

Johannes Turß war bei vielen Konzerten zu Gast. "Ich erwarte bei jedem Konzert, dass ich neue Menschen kennenlerne, und bisher hat das auch immer geklappt", sagt er beim Konzert von Simon Kempston. Für ihn wie auch für die anderen Gäste spielt die intime Atmosphäre der Konzerte eine große Rolle. Die Geschichten, die der Schotte zu seinen Songs erzählt, schaffen eine Verbindung zur Musik.

Wer bei einem Wohnzimmerkonzert dabei sein möchte, sollte bei Facebook angemeldet sein und der Seite folgen. Dort wird etwa eine Woche vorher eine Veranstaltung erstellt, zu der man sich anmelden kann.

Weil oft wenig Platz ist, sollte man schnell sein. Jeder kann Gastgeber werden. "Platz ist in der kleinsten Hütte", sagt Tina Breitkreutz. Sie kommt in die Wohnungen und schaut gemeinsam mit den potenziellen Gastgebern, wie viele Gäste hineinpassen. "Ich kann das absolut empfehlen", sagt Gastgeber Nils Hoffmann, "ich würde das sofort wieder machen."

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