Magdeburg | Neben der aufwendigen Recherche von Volksstimme-Redakteur Christopher Kissmann wurden nur drei weitere der zwölf Preise an Beiträge vergeben, die durch umfangreiche und investigative Recherche skandalöse Missstände aufgedeckt haben. Der freie Journalist Marco Maurer, der zusammen mit Christiane Hawranek für "B5" und "Zeit" dubiose Geschäfte deutscher Kliniken mit ausländischen Patienten aufgedeckte hatte, sagte es ganz offen: "So etwas braucht Zeit. Und wir suchen Abnehmer, die das auch bezahlen."

Die preisgekrönten Recherchen waren überwiegend gebührenfinanziert. Selbst die Süddeutsche Zeitung kooperiert mit dem NDR, um den Aufwand großer Recherchen zu stemmen. Die Wächter haben es schwer. Billig und "cool" gemachte Formate oder gut visualisierte einfache Botschaften erreichen oft höhere Einschaltquoten als teurer Qualitätsjournalismus.

Um zum Beispiel die Tragweite der Regelverstöße eines Landrats und die Problematik seines Regierungsstils für demokratische Gebilde zu erfassen, muss ein Leser sich intensiver mit der Thematik befassen. Alles hat zwei Seiten.

Schön ist es, wenn Sportvereine großzügig vom Schweinemäster gesponsert werden. Dass dies auf den "Hinweis" eines Beraters geschieht, der der Kreisverwaltung nahe steht, die diesen Betrieb überwacht, kann großen Schaden für die Glaubwürdigkeit der Behörden verursachen. Wer die Regeln bricht und Macht missbraucht, gilt manchem als "Macher".

Besonnene wissen, wie viel Schaden eine Führungskraft im politischen System anrichtet, die das eigene Regularium nicht ernst nimmt und Wahrheit verleugnet. Auf solche Probleme ohne Ansehen von Personen oder Interessen hinzuweisen, bringt keinen unmittelbaren Gewinn. Es begründet aber immer neu den Anspruch einer Tageszeitung, das Qualitätsmedium vor allen anderen zu sein. Und das überdurchschnittliche Engagement von Redakteuren begründet sich aus der Überzeugung, dass dieser Anspruch vom Leser langfristig honoriert wird.