Magdeburg l Chillen, relaxen, entspannen, ausruhen, Zeit totschlagen und einfach mal nix machen, so beschreibt der Journalist und Autor Jan Weiler die Hobbys seiner 15-jährigen Tochter Carla. Alle Eltern pubertierender Kinder sollten jetzt besonders gut aufpassen, denn es handelt sich bei den Tätigkeiten nicht um verschiedene Worte, die dasselbe meinen, sondern um völlig unterschiedliche Verrichtungen, deren Unterschiede Erwachsene einfach nicht begreifen.

Um mit anderen Eltern sein Leid zu teilen, schreibt Jan Weiler regelmäßig Kolumnen, in denen er den Entwicklungsprozess seiner Kinder mit mehreren Augenzwinkern dokumentiert und damit anderen, von "Pubertieren" betroffenen Eltern Mut macht, durchzuhalten und stark zu bleiben.

Mit seinen Kolumnen, die er in dem Buch "Das Pubertier" zusammengefasst hat, ist der Autor derzeit auf Lesereise in ganz Deutschland. Am Mittwoch erfreute er damit das Magdeburger Publikum und erntete viel Kopfnicken, raunendes Zustimmen und lautes Gelächter, als er von seiner maulenden und von jeder Tätigkeit total gestressten Tochter erzählt. "Unser Pubertier kann nicht aufräumen, weil es keinen Bock auf Stress hat. Sie kann nicht ans Telefon gehen, weil sie das Klingeln unter Leistungsdruck setzt. Sie hätte gerne Salz in der Soße, akzeptiert diese aber auch ungesalzen, wenn sie das Salz selbst holen muss. Sie ist fauler als ein sardischer Esel im August um die Mittagszeit", resümiert er.

Doch auch außerhalb der Pubertier-Zone gewährt Jan Weiler amüsante Einblicke in sein Familienleben. Manch einer mag sich wundern, ob es seine Familienmitglieder nicht leid sind, stets und ständig von ihm in aller Öffentlichkeit auf die Schippe genommen zu werden.

Seit vielen Jahren beim Publikum beliebt sind die A-nekdoten seines italienischen Schwiegervaters Antonio Marcipane, der im Media-Markt innerhalb weniger Minuten ein komplettes Chaos anrichtet, nur weil ihm der Verkäufer nicht die Aufmerksamkeit schenkt, die ihm seiner Meinung nach gebührt. Kurzerhand reißt der den "Fernsäh mitte die Flakke-Bilde" aus der Halterung des Ausstellungsregales - und hat die volle Aufmerksamkeit des Verkäufers.

Auch sein Schwager Jürgen bietet immer wieder Stoff für amüsante Geschichten. "Ich bespreche das, was ich schreibe, natürlich vorher mit meiner Familie", erklärt der Autor. "Außerdem unterliegen die Geschichten ja auch der künstlerischen Freiheit und wurden ein bisschen aufgepimpt, wie meine Tochter sagen würde."

Überhaupt sei Kommunikation der Schlüssel, um halbwegs unbeschadet die Pubertät der Kinder zu überstehen, erklärt Weiler. "Ich selbst bin schon froh, wenn ich ein gelangweiltes `Hm` als Antwort bekomme. Das muss für mein gestresstes Pubertier schon wie Hochleistungssport sein", sagt er. Weil aber die Teenagerzeit seiner Tochter bereits 13 Jahre andauere, hoffe er, es bald überstanden und überlebt zu haben. Dann aber erinnert er sich, dass sein Sohn Nick auch bald in die "kritische Phase" kommt. Klingt, als würden sich die Jan Weiler-Fans noch viele Jahre auf amüsante Pubertier-Geschichten freuen.

Bilder