"Deutschland sucht den Superstar" war gestern! Wer heute sein künstlerisches Talent unter Beweis stellen will, geht zur "Theaterjugend" im Stendaler Theater der Altmark. Das ist nicht nur weniger peinlich, sondern vor allem künstlerisch und pädagogisch wertvoll.

Stendal l Mehr Brot gibt es nicht! Da können die Kinder im Armenhaus noch so traurig gucken - genug ist genug. Und wer sich beschwert, wie der kleine Oliver Twist, der hat schon gar nichts zu lachen. Der wird aus dem Armenhaus abgeschoben, geschlagen, zum Arbeiten verdonnert und schließlich von dem windigen Mr. Fagin zum Stehlen gezwungen. So weit, so gut. Die Geschichte des Oliver Twist nach einer Erzählung von Charles Dickens ist bekannt. Mehr noch: Sie ist weltberühmt. Dass sich in Stendal, am Theater der Altmark, eine Gruppe jugendlicher Laiendarsteller des schweren Literaturstoffes angenommen und daraus das Musical "Oliver" inszeniert hat, ist hingegen weniger bekannt und noch weniger weltberühmt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Potenzial ist genug vorhanden.

Zuverlässigkeit ist ein Muss fürs Dabeisein

Robert Grzywotz ist so kurz vor der Premiere "ziemlich zufrieden" mit seiner Gruppe. Zum "ganz zufrieden" reicht es noch nicht, "aber diese Einstellung ist bei uns Theaterleuten normal. Man ist nie zufrieden. Man glaubt, es geht immer noch ein bisschen besser, und oft ist das ja auch so." Robert Grzywotz ist Theaterpädagoge am Stendaler Theater der Altmark. Ihm obliegt es, die altmärkische Jugend auf die Premiere für das Musical "Oliver" vorzubereiten. Er übt mit ihnen die Texte, die Choreografie, Mimik, Gestik und alles, was noch für einen perfekten Auftritt dazugehört.

An zwei Tagen in der Woche wird geprobt. Jeweils drei Stunden. Für die Jungen und Mädchen, "wobei wir einen eindeutigen Mädchenüberschwang haben", so Grzywotz, sind das mitunter zwei sehr anstrengende Tage. Drei Stunden Zeit müssen die 14- bis 20-Jährigen mitbringen, und das neben der Schule oder Ausbildung, den Hausaufgaben und vielleicht noch anderen Hobbys. Auch an den Wochenenden und in den Ferien wird geprobt. Bis zu acht Stunden am Tag. Ein dreiviertel Jahr lang. Unentgeltlich.

"Das ist zwar manchmal ganz schön anstrengend", erzählt die Laiendarstellerin Mai Nguyen. Die 16-jährige Stendalerin hat schon als kleines Kind davon geträumt, einmal auf der großen Bühne zu stehen. "Ich liebe das Singen und vor allem das Schauspielern", erzählt sie. "Natürlich ist es stressig, vor allem kurz vor der Premiere. Manchmal überschneidet sich das auch mit anderen Hobbys, aber dann ziehe ich die Theaterproben vor", erzählt sie.

Auch die anderen Jugendlichen sind zuverlässig. Zu jeder Probe sind sie da, bei Krankheit sagen sie ab, und während der Proben geben sie alles. "Das ist eine Bedingung", sagt Robert Grzywotz. "Ohne Zuverlässigkeit geht hier gar nichts. Aber das ist ja im Leben nicht nur im Theater so. Wenn sie jetzt für ihr Hobby lernen, zuverlässig zu sein, dann werden sie das in ihrem späteren Leben auch erreichen. Sie werden auch hart daran arbeiten, ihre Ziele zu erreichen, denn das machen sie hier auch. Sie proben und proben über Monate hinweg für ein einziges Ziel: Bei der Premiere vor dem Publikum absolute Bestleistung zu zeigen - und um tosenden Applaus zu ernten."

Fehler? Die Show geht einfach weiter

Schon im Vorfeld sei gesagt: der Erfolg ist ihnen sicher. Jeder Einzelne des knapp 30-köpfige Ensembles ist bereits jetzt ein Künstler. Das Musical "Oliver" besticht nicht nur durch die grandiosen Hauptdarsteller, sondern auch durch das gesamte Ensemble. Kräftige Stimmen, eine fetzige Choreografie, peppige Musik werden den Zuschauer durch das gesamte Stück begleiten. Und selbst kleine Fehler wie ein nicht gefangener Apfel werden dem Publikum nicht auffallen. Wie schon Freddy Mercury mit seiner Band Queen proklamierte, geht auch hier die Show einfach weiter. Kein Grund, sich zu schämen. Und eigentlich auch kein Grund, sich "Laiengruppe" zu nennen.

@066n Twitter Co.:Premiere des Musicals "Oliver" ist am 10. Mai um 19 Uhr im Großen Haus des Theaters der Altmark. Karten gibt es unter: 03931/635777.

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