Der Wernigeröder Patrick König bannt die Mystik seiner Heimat in außergewöhnlichen Fotografien. Die Bilder des 29-Jährigen zieren ein Buchcover und einen Kalender. Nun ist erstmals eine Ausstellung mit seinen stimmungsvollen Harzmotiven im Blankenburger Schlosshotel zu sehen.

Wernigerode l Patrick Königs Fotografien sind vor allem eines - stimmungsvoll. Auf den Bildern des Wernigeröders erscheinen die Landschaften des Harzes nahezu unwirklich schön: So zeigt er den Brocken, der sich in undeutlichen Konturen im goldenen Sonnenlicht abzeichnet. Oder Quellwasser, das sich durch einen Hain saftiggrüner Bäume schlängelt. Menschen bildet er dagegen nicht ab - dennoch sind die Landschaftsszenen voller Leben.

Dem Harzer gelingt es auf erstaunliche Weise, die Mystik seiner Heimat in Bilder zu bannen. Zu sehen sind einige seiner Fotografien derzeit im Blankenburger Schlosshotel. Dort läuft noch bis Ende August eine Ausstellung.

"2005 habe ich mir meine erste Kamera gekauft", erinnert sich König. "Es fing als Hobby an, im Urlaub habe ich viel fotografiert und Techniken ausprobiert." Noch im selben Jahr legt er sich seine erste digitale Spiegelreflexkamera zu. Anfangs ist der Wald Patrick Königs Lieblingsmotiv. Bei Touren mit dem Mountainbike, auf Wanderungen hat er die Kamera damals wie heute stets griffbereit. "Freunde sind schon manchmal genervt, weil ich häufig anhalte, um zu fotografieren."

Für ein Motiv stand er bis zum Bauch im Schnee


Sieben Jahre lang zeigt er seine Bilder nur in der Familie und im Freundeskreis. "Im Herbst 2012 habe ich mich entschieden, die Fotos der Öffentlichkeit zugänglich zu machen." Er programmiert die Webseite Harzlandschaft.de, seine Aufnahmen finden dort schnell eine feste Fangemeinde. Mittlerweile ist er auch im sozialen Netzwerk Facebook vertreten. 6086 Menschen haben den "gefällt mir"-Button gedrückt und bekennen sich, Fans seiner Fotografie zu sein.

Für 2014 hat er erstmals unter dem Titel seiner Webseite einen Kalender mit den schönsten Motiven aus dem Harz herausgegeben. Mehr als 500 Stück hat er davon verkauft.

Was ist das Besondere an seinen Fotos? "Ich sehe die Bilder mit meinen Augen, sie spiegeln meinen persönlichen Geschmack wider. Und ich mag es mystisch, melancholisch und geheimnisvoll." Wegen seiner ungewöhnlichen Perspektiven haben die Fotos einen hohen Wiedererkennungswert. Eine zentrale Rolle spielt das Licht - wenn nicht gar die wichtigste. "Das Spiel des Lichts, seine Erscheinungsformen und seine Fähigkeit, die Landschaft von einem Moment zum anderen durchgreifend zu verändern, sind Dinge, die mich faszinieren und die ich über die Fotografie festhalten möchte", sagt er.

Für das perfekte Motiv in der richtigen Lichtstimmung ist ihm kein Weg zu weit, kein Einsatz zu früh oder zu spät. "Ich stand schon bis zum Bauch im Schnee, um ein Foto von der Harzquerbahn im Winter zu machen." Er setzt den Harz auch filmisch in Szene. Vor Kurzem untermalte er mit seinen Video-Clips eine Lesung des Krimi-Autors Roland Lange. Die Buchfront zu dessen neuestem Roman "Brockendämmerung" schmückt ein Foto Königs - es zeigt? Natürlich: den Brocken.

Wie oft er schon den höchsten Gipfel Norddeutschlands fotografiert hat, das weiß er nicht. Wie mancher "Matchbox"-Autos sammelt, so sammele er eben Fotos vom Brocken, sagt Patrick König und lacht. Dabei schafft er es immer wieder, den Berg anders zu zeigen. "Wenn die Lichtstimmung passt, dann bin ich jeden Tag unterwegs", sagt er.

Seit 2005 studiert der Wernigeröder in Dresden Hydrologie, seine Diplomarbeit hat er vor Kurzem abgegeben. Wasser fasziniert ihn. "Ich habe mich für das Studium entschieden, um das Element zu verstehen." Er könne später Flutkatastrophen vorhersagen. Und:"Dadurch, dass ich seit 2005 in Dresden bin, sehe ich Wernigerode und den Harz mit anderen Augen."

Dass immer mehr Hobbyfotografen auf Facebook um die Gunst der Nutzer buhlen, stört ihn nicht. "Ich fotografiere mit 100-prozentiger Aufmerksamkeit, meine Fotos sind und bleiben einzigartig."

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