Kopenhagen (kä) l 26 Länder singen beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen um den Siegertitel. Doch es gibt nur einen Platz auf dem Siegertreppchen. Dass dieses vom deutschen Beitrag Elaiza betreten werden wird, ist unwahrscheinlich. Denn obwohl das Berliner Damentrio mit "Is it right" einen echten Ohrwurm zum ESC beisteuert, wird es von anderen Beiträgen in den Schatten gestellt.

Die Favoriten haben sich bei der Probe am Sonnabendnachmittag schnell herauskristallisiert. Bis kurz vor der Show lagen Schweden, die Niederlande und Österreich an der Spitze und lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei den Buchmachern. Der armenische Teilnehmer Aram MP3, dem vor den Halbfinals noch die größten Gewinnchancen eingeräumt wurde, musste seine Spitzenposition abgeben. Nicht zuletzt wegen der polarisierenden Erscheinung der österreichischen Teilnehmerin.

Elaiza in den Prognosen auf hintere Plätze gerutscht

Travestiekünstlerin Conchita Wurst schaffte mit ihrem James Bond verdächtigen Song "Rise like a phoenix" überraschend den Sprung ins Finale. Nicht das Lied sticht unter den vielen Beiträgen hervor, sondern Conchita selbst. Im glitzernden Abendkleid, dunkler Wallemähne und dichtem Vollbart ist sie eine auffällige Erscheinung. Während einige osteuropäische Länder ihre Disqualifizierung forderten, formierten sich in anderen Teilen Europas erste Fangemeinden. Und genau diese Sympathien und der daraus resultierende Kultstatus könnten Österreich nach 50 Jahren den zweiten Sieg in der ESC-Geschichte einbringen.

Für Deutschland sieht es hingegen nicht gut aus. Elaiza ist in den Prognosen vom anfänglichen Mittelfeld auf die hinteren Plätze gerutscht und schafft es bei den Wettbüros nicht mal in die Top 20. Dabei haben die Mädels im Prinzip nichts falsch gemacht. Doch ihr Bühnenprogramm wurde nur einen Tag vor dem Finale komplett umgeworfen. Außer einem Luftschlangenregen hat Elaiza auf der Bühne wenig Spektakuläres zu bieten. Für die Band, die sonst immer nur in Clubs gespielt hat und sich dort perfekt in Szene setzen konnte, ist die Kopenhagener Bühne einfach zu groß. Sie verschluckt die Musikerinnen, die sich wegen ihrer Instrumente kaum vom Fleck wegbewegen können.

Ralph-Siegel-Song gegen schwere Konkurrenz

Auf Startplatz 12 zwischen den Favoriten Österreich und Schweden kommen sie zu schlicht rüber. Dennoch verliert Elaiza nicht den Mut. Im Gegenteil. Die Mädels freuen sich, dass sie überhaupt dabei sein können und ihre Band international bekannt wird. Nach dem ESC wird es für sie viele weitere Auftritte geben, im Herbst steht ihre Tour an. Ihre Daumen halten sie trotzdem gedrückt, und zwar für Österreich.

Auch ESC-Urgestein Ralph Siegel, der es beim dritten Anlauf mit Valentina Morena für San Marino ins Finale geschafft hat, wird sich wohl hinten einreihen müssen. Sein komponierter Hit "Maybe" hat zwar eine eingängige Melodie, wird sich aber nur schwer gegen die starke Konkurrenz durchsetzen können. Wer letztendlich das Rennen macht, wird sich aber erst nach Mitternacht zeigen, wenn die Abstimmungsergebnisse aller Länder vorliegen.

Dänemark setzt Zeichen gegen Homophobie

Ungeachtet des Prognosenkrimis genießen nicht nur die Künstler den ESC-Trubel in Kopenhagen, sondern auch die extra angereisten Fans. Auf dem ESC-Gelände wurde ein kleines Dorf errichtet, in der Innenstadt gibt es zahlreiche Veranstaltungen. Die Straße vom Hafen bis zum Rathausplatz ist eine einzige Fanmeile , auf der verschiedene Künstler performen, darunter ESC-Teilnehmer von damals und heute. Ein Trost für die vielen Fans, die kein Ticket für das Finale ergattern konnten.

Dänemark machte sich die mediale Aufmerksamkeit zunutze, um ein Zeichen gegen Homophobie zu setzen. An drei Tagen vor dem Finale haben sich 48 gleichgeschlechtliche Paare im Rathaus das Ja-Wort gegeben.