Magdeburg l Bereits vor zwei Jahren gab sie ein imposantes Debüt in Magdeburg - die estnische Dirigentin Kristiina Poska. Im vergangenen Jahr hat sie zu ihren zahlreichen Auszeichnungen auch den wichtigen Deutschen Dirigentenpreis gewonnen - als erste Frau in einer Männerdomäne. Nun gab es ein Wiedersehen und -hören mit der Ersten Kapellmeisterin der Komischen Oper Berlin und der Magdeburgischen Philharmonie. Gemeinsam musizierten sie mit einem der renommiertesten Oboisten, dem Schweizer Thomas Indermühle, im vorletzten Sinfoniekonzert dieser Saison.

Am Beginn des Abends stand Ludwig van Beethovens "Leonoren"-Ouvertüre Nr. 3, eine der vier von Beethoven verfassten Ouvertüren zu seiner (einzigen) Oper "Fidelio". Kristiina Poska bewies damit wiederholt ein gestalterisches Gespür für Beethoven, insbesondere für dessen dramatische Verdichtung in Bezug auf die heroische Opernhandlung. Sie gab sie der eingangs düsteren Gefängnisstimmung statt, die etwas undifferenziert begann, jedoch durch das empfindsame Fagott-Klarinetten-Quartett gerettet wurde.

Die weitere mutige musikalische Intensität suggerierte Poska sehr entschlossen. Das dramaturgische Klangerlebnis wurde durch das von der Saalempore aus ertönende zweifache Trompetensignal imposant verstärkt. Die anschließende Freiheitsstimmung stimmte sehr virtuos und berührend die Flöte an und riss das Orchester in einen spannungsgeladenen Jubel.

Richard Strauss schrieb 1945 sein Oboenkonzert in D-Dur auf Bitten eines US-Soldaten. Eine unendliche Melodie - ein Aufflammen unbekümmerter Heiterkeit früherer Jahre. Mit diesem recht kurzen Solo-Konzert war der Schweizer Oboist Thomas Indermühle, Professor an der Musikhochschule Karlsruhe, zu Gast. Er spielte das liebenswürdig-elegante Strauss-Konzert mit virtuoser Wendigkeit und bestechendem Feinsinn für die Durchdringung des musikalischen Materials. Denn zweifelsohne stellten die durch Kadenzen miteinander verbundenen drei Attacca-Sätze hohe technische Anforderungen an den Solisten. Tief im Innersten erspürte Indermühle die kongenial instrumentierten Dialoge unter anderem mit Solobratsche, Solocello, Solovioline und musikantischen Gespräche seiner Holzbläserkollegen. Bravos und Trampelapplaus brandeten berechtigt vom Publikum los.

Natürlich brachte Kristiina Poska nach der Pause Musik eines Komponisten ihres Heimatlandes mit. Eduard Tubin war ein zentraler Sinfoniker des 20. Jahrhunderts. 1944 vor der Roten Armee nach Schweden geflohen, wirkte er dort bis zu seinem Tode. Seine 5. Sinfonie h-Moll, für viele Esten die Nationalsinfonie, spielte die Magdeburgische Philharmonie unwahrscheinlich aktiv und farbenreich.

Mit zwei hämmernden Paukisten und eindringlichen Blechbläsern ging es zyklisch auf musikalische Explosionen zu, immer wieder Kehrtwendungen mit interessanten Details. Pianissimo und Generalpause ließen die Musik schließlich verstummen, bevor die aufgeladenen Erwartungen in mehreren Wellen von im Forte-Fortissimo mündenden langen Schlussakkord übertroffen wurden. Bravo!