Magdeburg l So ein "Heimspiel" ist für eine Band auf Tour quer durch Deutschland immer etwas Besonderes. So auch für Sebastian Raetzel. In den anderen Städten kennen wahrscheinlich nur die wenigsten seinen Namen, dafür aber den seiner Band. Die Baseballs tragen den Rock \'n\' Roll durch die deutsche Musiklandschaft und entfachen bei ihren Konzerten das Feuer der 50er Jahre.

In Magdeburg ist Sebastian Raetzel eine kleine Berühmtheit, denn er ist ein echtes "Machteburjer Kind", und weil das so ist, stimmte die Band ihr Publikum in der Factory auch mit dem Magdeburglied ein.

Factory wird zum Ballsaal eines Abschlussfestes

Doch nicht nur die Baseballs haben sich auf den besonderen Auftritt in Magdeburg vorbereitet. Frauen im Petticoat und mit Schleifen im Haar, Männer mit Schmalztollen und Hosenträgern. Die Rock \'n\' Roller hatten sich für diesen Abend herausgeputzt und verwandelten die Factory in einen Ballsaal des Abschlussfestes in einer amerikanischen Highschool der 50er Jahre.

Tanzpaare fanden sich schnell und die Baseballs lieferten die nötige Musik mit viel Witz, Charme und jeder Menge Pomade. Um die Nervosität beim Auftritt im Club seiner Jugend zu bekämpfen, trank sich Sebastian Raetzel ein wenig Mut an.

Wer von einem echten Rock \'n\' Roller jedoch Bier oder sogar Schnaps erwartet hatte, war beim Magdeburger an der falschen Adresse. Eine Piccolo-Flasche Rotkäppchen-Sekt sollte den Sänger locker werden lassen. Die trank er dann aber auch auf ex.

Coversongs ließen das Publikum mitsingen

Besonders die für die Baseballs typischen Cover von bekannten Popsongs sorgten beim Publikum wenig später für ausgelassenes Mitsingen und -klatschen. Das war den drei Sängern jedoch noch nicht genug. "Mit den Baseballs habt ihr auch ein Sportprogramm gewählt", erklärte Sebastian Raetzel.

Tanzen wie King Kong, hüpfen, klatschen, singen: Die Band gönnte dem Publikum kaum eine Pause in ihrem zweistündigen Programm. Die Stimmgewaltigkeit der drei Sänger Sven Budja, Rüdiger Brans und Sebastian Raetzel würde wohl für drei Bands reichen, denn jeder von ihnen interpretiert die Rock \'n\' Roll-Songs der 50er und die von heute auf seine ganz eigene Weise.

Besonders deutlich wird die Vielfältigkeit der Stimmen bei einer Gospelversion von David Hasselhoffs "I\'ve be looking for freedom". Der "vierte Sänger" der Baseballs ist an diesem Abend das Publikum, das immer wieder in die Show einbezogen wird. Eine von der Band ausgewählte Dame darf sogar mit Sebastian Raetzel in eine Fotobox, die extra auf die Bühne geholt wurde. Als Erinnerung für sie gab es Passfotos mit einem echten Rock \'n\' Roller.

Im Publikum rockten Rentner

Wem das noch nicht extravagant genug war, konnte sich wenige Sekunden später darüber wundern, dass Sebaszian Raetzel plötzlich zwar zu hören, jedoch nicht mehr zu sehen war. Wie in einer Zaubershow hatte der sich aus dem Fotoautomaten verschwinden lassen und tauchte wenig später auf dem Pult des Tontechnikers inmitten des Publikums auf.

Nach über zwei Stunden Vollgas war Magdeburg zufrieden und das Heimspiel für Sebastian Raetzel geglückt. Im Publikum rockten Rentner, die sich an die Musik ihrer Jugend zurückerinnern konnten.

Die jüngeren Generationen wurden von den "Elvis\' Jüngern" an die Hand genommen und in die Welt der Hüftschwünge und schnippsenden Finger entführt. Zum krönenden Abschluss entfachten die Baseballs dann doch noch echtes Feuer auf dem Klavier.