Magdeburg l Fünf Jahre ist es her, da gab es die theoretische Chance, dass Uwe Steimle Bundespräsident geworden wäre. Er war immerhin einer der Kandidaten. Zum Glück ist er aber Kabarettist, Schauspieler und Sänger geblieben, wenngleich er seinem Beinahe-Kollegen im Staatsamt Talent bescheinigt. Man müsse nur genau zuhören.

Genau das machten voller Begeisterung zahlreiche Fans bei seinem Auftritt am Sonntagabend im Magdeburger Opernhaus beim Programm "Zeit heilt alle Wunder", musikalisch vom Berliner Jazztrio begleitet.

Wortwirz stößt Politiker vom Sockel

Steimle ist Dresdner. Die DDR, noch dazu im "Tal der Ahnungslosen" (weil dort kein Empfang des Westfernsehens möglich war), prägte ihn auf eine ganz besondere Weise. Die großen Fragen dieser 40 Jahre an ganz kleinen, fast unbeachteten Dingen aufzuarbeiten, satirisch-bissig und doch immer sehr liebevoll, das ist seine große Stärke. Und genau dafür lieben ihn seine Anhänger.

Im Plauderton stößt er mit Wortwitz die Großen der Weltpolitik vom Sockel. Im Dresdner Sächsisch kommen dabei selbst schwerste Geschosse beinahe liebevoll an. Auch Sachsen-Anhalt blieb nicht verschont. Schon mit der Bemerkung, dass man um 18 Uhr beginne, weil man sich im Land der Frühaufsteher befinde, hatte er die Zuhörer im Sturm erobert.

Steimle beherrscht sein künstlerisches Handwerk, hat an der Theaterhochschule "Hans Otto" studiert, bevor er 1989 in das Kabarettfach wechselte. Zahllose Polizeiruf-Krimis prägte er als Schauspieler. Was er als Sänger vermag, das stellte er zusammen mit den Musikern Matthias Wessel am elektrischen Piano, Wolfgang "Zicke" Schneider am Schlagzeug und Richard Müller an der Bassgitarre unter Beweis. In einem richtigen Theater, so der Künstler, könne man sogar mit einer Satire-Opernarie glänzen - Steimle kann.

Welt-Uraufführung als Zugabe

Und dann sind da die Kindheitserinnerungen voller ironischer Seitenhiebe auf die realen DDR-Verhältnisse, wie das artistische Vermögen des radfahrenden Gaslaternen-Zündmannes auf seinem Schulweg. Augenzwinkernd verrät er, dass er wisse, dass die Glühstrümpfe für Gaslaternen bis heute aus Magdeburg kämen. Dies würde bestimmt die Überschrift für die Kritik seines Auftrittes sein. Recht hat er.

Und so ganz nebenbei präsentiert Uwe Steimle dann noch als Zugabe eine Welt-Uraufführung. Ein Eichendorff-Gedicht, von ihm gesungen und von keinem Geringeren als Günther Fischer, einem der weltbesten Filmmusik-Komponisten, in Töne gesetzt. Wenn das kein sächsisches Understatement ist...