Die Schau ist bis zum 10. August täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Eintritt: 14 Euro, erm. 10, bis 16 Jahre frei.

Berlin (dpa) l Im ehrwürdigen Ausstellungshaus herrscht Disco-Atmosphäre: schwarze Räume, flirrende Videobilder, und über den Kopfhörer wummern David Bowies beste Songs. Der Martin-Gropius-Bau in Berlin feiert den britischen Megastar mit einer spektakulären Multimediashow. Die mehr als 300 Kostüme, Plattencover, Instrumente, Fotos und Erinnerungsstücke erzählen umfassend von seinem Leben und Werk, aber auch von seinem Einfluss auf die Popkultur weltweit.

Berlin ist ein besonderer Schwerpunkt der Schau. Von 1976 bis 1978 lebte der Ausnahmekünstler in der geteilten Stadt. Mit seiner "Berliner Trilogie" - den Alben "Low", "Lodger" und vor allem "Heroes" - schrieb er Musikgeschichte. "Erstmals seit Jahren empfand ich Lebensfreude und ein großartiges Gefühl der Befreiung und Heilung", sagte er laut Ausstellungstext im Rückblick. "In dieser Stadt kann man sich leicht verlieren, man kann sich aber auch selbst finden."

Ausstellung in Deutschland mit zusätzlichen Objekten


Es ist die weltweit erste Retrospektive über den heute 67-jährigen Künstler, der längst abgeschottet vom Starkult in New York lebt. Im Victoria and Albert Museum in London löste die Schau im vergangenen Jahr einen Hype aus, mehr als 300.000 Besucher kamen. "Bowie ohne Berlin geht nicht", sagte der verantwortliche Museumsdirektor Martin Roth am Montag bei der Vorbesichtigung im Gropius-Bau. Außenminister Frank-Walter Steinmeier wollte es sich nicht nehmen lassen, die Ausstellung am Abend zu eröffnen. Nur Bowie selbst wurde nicht erwartet. "Er ist grandios darin, sich unsichtbar zu machen", so Roth.

Für Deutschland wurde die Präsentation nochmals um rund 60 Objekte aus den "Berliner Jahren" ergänzt. So ist ein Selbstporträt zu sehen, das als Vorlage für das legendäre "Heroes"-Cover diente. Das Brücke-Museum, Bowies Lieblingsort in der Stadt, entlieh zwei Gemälde des Expressionisten Erich Heckel, die das Cover beeinflussten. Und ein bisher unveröffentlichter Briefwechsel mit Marlene Dietrich erinnert an den in Berlin entstandenen gemeinsamen Film "Schöner Gigolo, armer Gigolo" (1978), der zum letzten Kinoauftritt der großen Dietrich werden sollte.

Bowie lebte damals im West-Stadtteil Schöneberg, Hauptstraße 155, in einem unscheinbaren, etwas heruntergekommenen Altbau - sogar der Wohnungsschlüssel hat es in die Ausstellung geschafft. Nach seinem kometenhaften Aufstieg in den USA und dem Zerwürfnis mit seinem Manager war er ausgebrannt, kokainsüchtig und pleite. Die Mauerstadt Berlin mit ihrer lebendigen Kreativszene wurde zum Rettungsanker. "Hier ist es ihm gelungen, seine Dämonen zu vertreiben", sagt die britische Kuratorin Victoria Broackes.

Zeit in Berlin hat Bowie geprägt


Die Wohngemeinschaft mit seinem Freund Iggy Pop ging zwar schnell in die Brüche, weil der lebenshungrige Punkrocker ihm immer die Vorräte aus dem Edelkaufhaus KaDeWe aus dem Kühlschrank futterte. Aber sonst genossen die beiden die Stadt in vollen Zügen. Die benachbarte Schwulenkneipe "Anderes Ufer", das österreichische Restaurant "Exil" in Kreuzberg und der Avantgarde-Schuppen "Dschungel" wurden zu wichtigen Anlaufstellen - und die Nachtclub-Legende Romy Haag zur ständigen Begleiterin. "Wir schauten uns in die Augen, und sofort war klar: Wir müssen eine Zeit miteinander verbringen", erzählte die 63-Jährige am Rande der Ausstellung.

Bowie selbst hatte erst 2013 noch einmal deutlich gemacht, wie sehr ihn die Zeit in Berlin geprägt hat. Nach zehnjähriger Plattenpause erschien zu seinem 66. Geburtstag die Single "Where Are We Now", in der er melancholisch alte Zeiten am Potzdamer Platz (mit z!), KaDeWe und Bösebrücke besingt.

Seit die Show im Anmarsch ist, brodelt es in Berlin. Ehemalige Weggefährten erinnern sich, Kinos und Galerien laden zum Bowie-Programm, die Berliner Festspiele organisieren am 15. Juni "Einen Tag für ... David Bowie", und der Veranstalter Musictours bietet tägliche Bowie-Spaziergänge durch die Stadt.

"Die meisten von uns glauben, sie wissen alles über David Bowie", fasst Festspiele-Chef Thomas Oberender zusammen. "Wenn sie die Ausstellung gesehen haben, werden sie sagen, sie wussten eigentlich nichts."

   

Bilder

 

David Bowie zum Anschauen

Berlin (mh) l Originalkostüme, Musikvideos, Plattencover, Songtexte und Instrumente: Rund 300 Exponate rund um den britischen Popstar David Bowie sind ab Dienstag in Berlin zu sehen.

  • Ein Mann betrachtet im Martin-Gropius-Bau in Berlin während der Vorbesichtigung der Ausstellung

    Ein Mann betrachtet im Martin-Gropius-Bau in Berlin während der Vorbesichtigung der Ausstellun...

  • Ein Mann betrachtet am 18.05.2014 im Martin-Gropius-Bau in Berlin während der Vorbesichtigung der Ausstellung

    Ein Mann betrachtet am 18.05.2014 im Martin-Gropius-Bau in Berlin während der Vorbesichtigung ...

  • Die Bowie-Schau wurde am Dienstag eröffnet und ist bis Mitte August in Berlin zu sehen. | Foto: dpa

    Die Bowie-Schau wurde am Dienstag eröffnet und ist bis Mitte August in Berlin zu sehen. | Foto...

  • Eine Frau betrachtet am 18.05.2014 im Martin-Gropius-Bau in Berlin während der Vorbesichtigung der Ausstellung

    Eine Frau betrachtet am 18.05.2014 im Martin-Gropius-Bau in Berlin während der Vorbesichtigung...

  • Kostüme und Konzertfotos bestimmen die Schau rund um den Künstler. | Foto: dpa

    Kostüme und Konzertfotos bestimmen die Schau rund um den Künstler. | Foto: dpa

  • David Bowies Outfis erzählen die Karrieregeschichte des britischen Musikers. | Foto: dpa

    David Bowies Outfis erzählen die Karrieregeschichte des britischen Musikers. | Foto: dpa

  • Plattencover und deren Entwürfe des Musikers David Bowie sind in der Ausstellung in Berlin ebenfalls zu sehen. | Foto: dpa

    Plattencover und deren Entwürfe des Musikers David Bowie sind in der Ausstellung in Berlin ebe...

  • Der Union-Jack-Mantel und eine unvollendete Jacke des Musikers David Bowie. | Foto: dpa

    Der Union-Jack-Mantel und eine unvollendete Jacke des Musikers David Bowie. | Foto: dpa

  • Foto: dpa

    Foto: dpa

  • Zwei Halbmasken mit dem Porträt des Künstlers David Bowie. | Foto: dpa

    Zwei Halbmasken mit dem Porträt des Künstlers David Bowie. | Foto: dpa

  • Fotos mit dem Musiker. | Foto: dpa

    Fotos mit dem Musiker. | Foto: dpa