Dritte Ausstellung
Ascherleben, Grafikstiftung Neo Rauch, 25. Mai 2014 bis 3. Mai 2015

Wie groß ist der Druck, Neues für die Grafikstiftung zu produzieren?
Neo Rauch: Er ist schon spürbar, der Druck, aber er ist nicht überwältigend. Er sorgt dafür, dass mein Augenmerk weiterhin auf der Grafik ruht und dass sie als Bei-Spiel - im schönsten Doppelbedeutungssinne des Wortes - neben dem großen Spiel der Leinwand, einhergeführt werden kann. Der Druck ist vorhanden, aber nicht so stark, dass er gar erstickend wirken könnte.

Aber Sie denken schon immer daran, dass für Aschersleben etwas entstehen muss?
Ja, ja schon. So ein Jahr verfliegt im Nu und wenn die nächste Stiftungsausstellung naht, dann werfe ich den Blick auf die vergangenen Monate und lasse den grafischen Bestand, der angeschwollen ist, mal antreten und stelle fest, dass es eine überschaubare Zahl von Blättern gibt. Denn mein Hauptaugenmerk liegt doch immer auf der Leinwandarbeit.

Hat sich Ihr Arbeiten verändert?
Nein, ich lasse die grafischen Arbeiten zu mir kommen, wie es vorher auch der Fall war - nämlich immer dann, wenn ich von der inneren Notwendigkeit getrieben werde, mich einem grafischen Blatt zuzuwenden.

"Nun geht es darum, die schöne Hülle mit Sinn und Bedeutung zu füllen."

In der Grafikstiftung ist es die dritte Ausstellung. Was bedeutet es Ihnen, in Aschersleben auszustellen?
Mir selbst geht es so, dass ich atmosphärisch immer tiefer hier einsinke. Ich nehme eine zunehmende Wärme wahr, die der Ort auf mich ausstrahlt und die ich auch gern zurückgebe. Ich habe immer mehr das Gefühl der Heimkehr.

Das wird immer stärker?
Ja, ja, auf jeden Fall. Die Institution hat sich jetzt passgenau um mich herumgeschmiegt. Jetzt ist auch baulich alles so, wie es kaum besser sein könnte. Nun geht es darum, die schöne Hülle mit Sinn und Bedeutung zu füllen. Und das immer wieder neu.

Was ist im vergangenen Jahr Neues entstanden?
Das sind eine Handvoll Lithografien, zwei große Papierarbeiten, Öl auf Papier, die den Raum dominieren werden und die die Brücke schlagen zwischen den Zeichnungen, den Grafiken und den Arbeiten auf Leinwand.

Und Zeichnungen?
Ein Schwung Zeichnungen. Das sind so Hobelspäne auf dem Wege zur Meisterschaft, die man von der Werkbank fegt und dann später aufhebt und für gut und würdig befindet, gezeigt zu werden.

Thematisch begleiten die Zeichnungen und Grafiken die Bilder?
Ja, aber sie stehen für sich. Sie sind natürlich inmitten eines familiären Klimas entstanden, das durch große Leinwände, die zeitgleich mit ihnen emporwuchsen, geprägt ist.

Über das Malen großer Bilder haben Sie einmal gesagt, dass manches Bild viele Zwischenstationen durchleiden muss. Ist es ein anderes Arbeiten, wenn Sie grafisch arbeiten?
Ja und nein. Ja, weil es sich um Grafik handelt, die natürlich mit dem Blick auf die Vervielfältigung einen anderen Anspruch anmeldet. Der hemmt mich immer etwas, weil ich mich immer frage, ist dieses Motiv es wert, in Massenproduktion überführt zu werden. Aber wenn ich dann am Stein arbeite, dann ist das durchaus mit dem Arbeiten an der Leinwand vergleichbar. Da gibt es auch die Korrekturmöglichkeit, das Wegschaben, das Überzeichnen.

Sie hängen gerade die Ausstellung. Was ist das Besondere dieser dritten Ausstellung der Grafikstiftung Neo Rauch?
Was unbedingt erwähnt werden sollte, ist die Tatsache, dass wir erstmals eine Leihgabe bekommen haben. Graf von Faber-Castell hat die drei Originalentwürfe zu meinen Glasfenstern im Naumburger Dom damals gekauft und leiht sie uns jetzt für ein Jahr. Da wird es schöne Parallelen zur Ausstellung "Glanzlichter" geben, die demnächst im Naumburger Dom eröffnet.

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