"Konkurrenz" muss nicht immer einen negativen Beigeschmack haben. Das belegte am Donnerstagabend die stürmisch gefeierte Ballettpremiere im ausverkauften Magdeburger Schauspielhaus.

Magdeburg l Mit "Tanzbegegnungen 4" eröffnete die Magdeburger Ballettcompagnie das diesjährige Tanzfest Magdeburg. "Begegnet" sind sich zwei Ballette mit dem Ausgangsthema "Konkurrenz".

Der renommierte italienische Tänzer und Choreograf Fredy Franzutti wählte als Basis für seine "Kokurrenz-Präsentation" den künstlerischen Streit zwischen den Komponi-sten Christoph Willibald Gluck und Niccolò Piccinni um die von ihnen im 18. Jahrhundert geschaffenen gleichnamigen Opern "Iphigenie auf Tauris". Franzutti stellte Glucks Musik, "stellvertretend" für Piccinni, die zeitgenössische Musik von der CD "Baroque" der amerikanischen Bratscherin Nadia Sirota gegenüber.

Bewegende dramatische Gewissenskonflikte

Erzählt wird die Geschichte der Tempelpriesterin Iphigenie, die die Statue der "heiligen Diana" zu beschützen hat. Der Zuschauer erlebt mit Núria Salado Fusté eine im strahlend roten Kleid wahrhaft "göttlich" tanzende Iphigenie mit hoher emotionaler Ausstrahlung. Ihre alles überstrahlende Souveränität bricht mit dem Erscheinen ihres Bruders Orest (Carlos Alberto Montalván Továr) und dessen Freundes Pylades (Leander Rebholz) ad hoc zusammen. Sie wollen die Statue stehlen.

Die drei Protagonisten, umringt und beobachtet vom taurischen Volk, lassen das Publikum an den bewegenden dramatischen Gewissenskonflikten mit brillant gezeigter überwiegend klassischer Tanzkunst zwischen den symbolhaften und oft bewegten Portalen (Bühne Marco Brehme, Kostüme Stefan Stanisic) einfühlsam teilhaben. Und es gibt kein Happy End: Diana lässt die drei zu Statuen erstarren.

Letztendlich ebenfalls kein richtiges Happy End hat das von Juan Pablo Lastras Sanchez choreografierte und inszenierte Ballett "Drahtseilakt", für das er auch die Kostüme schuf. Der spanische Künstler ist Tänzer des Balletts am Anhaltischen Theater Dessau und bringt seit einigen Jahren erfolgreich eigene Choreografien auf die Bühne.

Zwei Clowns als Rivalen im Kampf um eine Frau

Seine "Konkurrenz-Situation" verlagert er in die Zirkuswelt. Er zeichnet mit hohem Einfühlungsvermögen und dramaturgischem Einfallsreichtum das von Konkurrenz geprägte Leben zweier Clowns, facettenreich dargestellt von Carlos Alberto Montalván Továr und Daniel Smith. Hier passiert die einsame Vorbereitung auf den Auftritt. Da werden Posen vor dem Spiegel geübt, die dunkelfarbige Garderobe angelegt, wird sich geschminkt, die schwarze Nase aufgesetzt.

Ein Video vermittelt das Einlassen der Zuschauer. Das Spiel beginnt. Elektronische Musik der französischen Band "Von Magnet", sphärisch anmutend, rhythmusstark, befördert effektvoll das Geschehen. Die Tanzgruppe fasziniert mit einer temporeichen und bewegungsvielfältigen mehrheitlichen "Bodenarbeit". Und die beiden Clowns? Sie kommen traurig daher, sind eher Verlierer, auch als Rivalen im "Kampf" um eine Frau (Maria Pujante Lopez).

Am Ende sind beide wieder einsam, wohl auch traurig. Sie verlassen die Bühne an verschiedenen Seiten. Hin und wieder lassen sie Luftballons platzen...

Danach erschallen lautstarker Jubel und Bravorufe.

Die "Tanzbegegnungen 4" sind ein weiteres Mal am 15. Juni um 19.30 Uhr zu erleben. Daneben präsentiert das Theater heute um 19.30 Uhr die Internationale Ballettgala.

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