Magdeburg l Zum letzten Sinfoniekonzert dieser Saison gab es ein Wiedersehen und -hören mit dem ehemaligen Generalmusikdirektor des Opernhauses Magdeburg Christian Ehwald. Er bot mit den Magdeburger Philharmonikern neben Schubert und Berg eine gefeierte 4. Bruckner-Sinfonie.

Ein völlig gelöster Konzertauftakt gelang mit den "Deutschen Tänzen" D 820 von Franz Schubert in der fantastisch gesetzten Orchesterfassung Anton Weberns. Da stampft es "urdeutsch" keineswegs. Und so hatte Ehwald die Musiker zu einer luftigen und kammermusikalisch anmutenden Spielweise angeregt. Zerbrechliche Miniaturen der Orchestersoli beeindruckten in einer positivgewandten Volkstümlichkeit. Eben einer Schubertschen lyrischen Verletzbarkeit nachempfindend, mit wohligen klassischen Strukturen.

Angenehme kammermusikalische Hellhörigkeit

Eine romantische Verletzbarkeit quoll auch aus dem Violinkonzert Alban Bergs, obgleich dieses Werk sein erstes in strenger zwölftoniger Struktur war. Berg widmete es: "Dem Andenken eines Engels". Dieser Engel hieß Manon Gropius, Tochter von Gustav Mahlers Witwe Alma und dem Bauhaus-Architekten Walter Gropius, die achtzehnjährig an Kinderlähmung starb. Und so schleicht sich in das Porträt unumwunden der Tonfall des Schmerzes.

Mit viel Empathie für diesen Hintergrund durchdrang der Konzertmeister der Philharmonie, Yoichi Yamashita, das nur zweisätzige Stück. Christian Ehwald leitete zwischen angenehmer kammermusikalischer Hellhörigkeit und philharmonischer Fülle. Und Yoichi Yamashita stand über den technischen Schwierigkeiten und konnte sich ganz der Gestaltung widmen. Für seine sehr beseelte Interpretation erhielt er herzlichen Beifall.

Ein Juwel der klassischen Romantik ist Anton Bruckners 4. Sinfonie Es-Dur - er selbst nannte sie auch die "Romantische". Gastdirigent Christian Ehwald, Professor an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin, dirigierte die etwa siebzigminütige Sinfonie auswendig, und die Magdeburger Philharmonie spielte perfekt in höchster Musikalität! Das ist die Sinfonie des Solo-Horns - Ueli Bitterli war grandios respektive seiner Stimmgruppen- und Orchesterkollegen.

Über 65 Takte aufschraubende Brucknersche Apotheose

Man hatte den Eindruck, Ehwald ließ die großen Steigerungen kommen, führte sie dosiert zu großen Höhepunkten. Das hatte eine dramaturgische Wirkung. Das Blech erhielt den nötigen Spielraum, jedoch nie auf Kosten der Streicher oder Holzbläser, selbst der Pauke nicht. Eine Balance, die begeisterte. Welch feierlich-libertäres Choralthema der Blechbläser im ersten Satz; die fallende Quinte, die im Andante die Celli und Holzbläser aufgriffen als lyrischen Trauermarsch; das populäre Jagdscherzo mit schmetternden Hörnern, kongenialen Trompeten und Posaunen - das alles nie übersteuert. Und das finale Thema mit ewigem Orgelpunkt grundiert und die sich über 65 Takte aufschraubende Brucknersche Apotheose - ein taumelnder Triumph und Untergang zugleich.

Wie verständnisvoll ging Ehwald da mit der kontrapunktischen Kunst Bruckners und den kantablen Qualitäten fein ausgeformter Begleitstimmen um. Ein Feuerwerk zum Abschluss der Konzertsaison!