Magdeburg l Im Saisonfinale der letzten Kaufhaus Karstadt Kulturreihe: Am Freitag trat Rockerin Julia Neigel und Band auf als eher untypischer letzter Akt. Mit ihrer Art, ihrer Musik und ihrer Performance zwang sie das Publikum über seinen gewohnten Tellerrand zu blicken.

Das Publikum, teils eingefleischte Julia-Neigel-Fans, teils Karstadt-Veteranen, lernt seine erste Lektion, den Scheinschluss. Er deutet mit allen musikalischen Mitteln auf ein Ende hin und zur Überraschung folgt das wirkliche Ende erst danach. Die meisten Songs verfügten über einen solchen und die Regeln des Applauses mussten erst zwischen Künstlern und Gästen verhandelt werden.

Bei den vielen Pop- und Rocksongs waren auch einige dabei, die durch Peter Maffay bekannt wurden und doch aus ihrer Feder stammen, da galt es mitzuklatschen, mitzusingen und mitzutanzen. Geklatscht wurde viel, mitgesungen weniger und nur vereinzelt getanzt, aber immerhin, dies ist schon ein deutlicher Bruch mit den Gewohnheiten der Veranstaltungsreihe.

Als Anerkennung dieser ist auch Blues im Programm, allgemein hält sie sich jedoch an Akustik-Pop und Rock. Aber damit noch kein Ende, sie singt mit und ohne Mikrofon, sie ist eine Powerfrau, immer in Bewegung, sie tanzt, moderiert, schmeichelt, zwingt das Publikum aus seinen Stühlen und steigt und klettert schließlich selbst durch das Publikum über Stühle, Geländer und Tische des Saals, wortwörtlich über Tellerränder hinweg.

Dies war das letzte Kunst-Kultur-Karstadt-Konzert dieser Spielzeit, die nächste beginnt im Spätsommer, ein krachender Abschluss, wie gewohnt ungewöhnlich.