Magdeburg l Aus Frankreich kommt die Tradition, den Sommer musikalisch zu beginnen: 1982 hatte der damalige französische Kulturminister Jack Lang die Idee, den 21. Juni zum "Tag der selbst gemachten Musik" zu erklären. Musiker, Bands, Chöre, Orchester sollten einfach hinaus auf die Straßen und Plätze ihrer Stadt, um gratis Musik zu machen. Mittlerweile wird die "Fête de la Musique" jedes Jahr weltweit in über 500 Städten, davon 42 in Deutschland, begangen. In Sachsen-Anhalt gehen 2014 allein 10 Städte an den Start, Magdeburg als Vorreiter ist seit 2003 dabei. Matthias Buchholz zeichnet für die musikalische Koordination verantwortlich. Der junge Magdeburger unterrichtet in seiner "Musikwerkstatt" im Moritzhof Klavier und Schlagzeug und steht dort zuweilen auch als Tontechniker bei Konzerten an den Reglern.

Ein großes Stadt-Musik-Straßenfest musikalisch zu koordinieren, ist ein nicht einfaches Unterfangen, galt es doch allein in diesem Jahr aus fast 100 Bewerbungen 44 Programmpunkte so zu platzieren, dass sie den Orten und dem Publikum gerecht werden und außerdem die musikalische Szene der Stadt erlebbar machen. Die ist breit aufgestellt, vom Volksmusikduo über Big Band, Klassik bis Rock und Pop ist alles dabei, blutige Anfänger, aber auch Vollprofis.

Und dennoch: "In Magdeburg scheint es vor allem laute Bands zu geben", sagt Buchholz im Hinblick auf die Bewerbungslage. Gut die Hälfte der Anfragen kamen von Bands, die Indie, Progressive und Alternative im Repertoire haben. Das funktioniert nicht an allen Standorten. "In der Leiterstraße mit Biergärten und Sonnenschirmen kann ich das nicht bringen, da passen ruhigere Formate wie Jazz und SingerSongwriter." Platz für die "Rocker" und andere laute Klänge ist hingegen das alternative "Projekt 7" und die junge Bühne am Allee-Center.

Schwer im Trend sind aber auch zahlreiche SingerSongwriter. "Vor etwa fünf Jahren begann eine Welle, die immer noch anhält. Offenbar gibt es ein starkes Bedürfnis nach Musik, bei der intelligente Texte dominieren, mit sparsamer, aber feiner Begleitung", so Buchholz. Vor allem die Bühnen an Leo`s Bistro und am Karstadt werden dies bedienen.

Neu in diesem Jahr ist eine reine Chorbühne. Nachdem sich 2013 erstmals Chöre angemeldet hatten, musste für unverstärkte Vokalmusik ein überdachter Spielort her. In Kooperation mit der Katholischen Studentengemeinde war mit der St.-Petri-Kirche einer der akustisch besten Orte der Stadt gefunden.

Immer wieder kommen leise Vorwürfe, die Organisatoren würden die Musiker extrem aussieben. "Es geht nicht um eine musikalische Bewertung, sondern um ein möglichst abwechslungsreiches, buntes Programm", widerspricht Buchholz. Grundsätzlich stehe die "Fête" allen spielwütigen Musikern, die ohne Gage auftreten, offen. Für den Tag des Sommeranfangs gibt es speziell für die "Fête" eine Straßenmusikgenehmigung bis 22 Uhr an allen öffentlichen Plätzen. "Mein großer Traum wäre es, wenn wir auf diese Weise für einen Tag die ganze Stadt zum Klingen bringen könnten."

Mehr Informationen: www.fete-sachsen-anhalt.de