Magdeburg l Das Cafe des Puppentheaters in Magdeburg erwies sich als geeignete Umgebung, um mit den Künstlern des Vélo-Theaters zu sprechen. Hier fühlen sich Charlot Lemoine und Tania Castaing wohl und das Gespräch wird zu einem herzlichen Meinungsaustausch.

Dennoch sind es vor allem die Dinge, die nebenher passieren, die zeigen, wer diese beiden Künstler sind und was sie ausmacht. So wird das Gespräch immer wieder angenehm unterbrochen, weil andere Künstler oder auch Verantwortliche des Puppentheaters an den Tisch kommen und man sich erst einmal drückt, nach französischem Brauch rechts und links auf die Wange küsst und freudig Neuigkeiten austauscht.

Vertrautheit macht das Reisen erträglich

Diese Vertrautheit untereinander ist es, die das viele Reisen für das Ensemble des Vélo-Theaters erträglich machen. "Wir vermissen unser Zuhause, aber unsere Familie haben wir bei uns. Das Team, die Künstler sind unsere Familie", erklärt Tania.

Anfang der Achtziger gründeten sie und Charlot gemeinsam das Vélo-Theater und seit vielen Jahren bereisen sie die ganze Welt mit ihren Stücken. Doch zu Beginn ihrer Arbeit mussten sie sich erst einmal beweisen. "Wir mussten uns unseren Platz erst erarbeiten. Die Menschen verstanden nicht sofort, was wir machen", erklärt Charlot. Bekannt war bisher nur das Puppentheater, doch was das Vélo-Theater machte und noch heute macht, ist anders. "Wir versuchen, Gegenstände aus dem Alltag oder auch selbst erschaffene zu nutzen, um Emotionen, Bilder und Geschichten zu vermitteln", sagt Tania. Das "Objekt-Theater" war geboren.

Betritt das Vélo-Theater eine Bühne, dann sieht der Zuschauer eine Komposition aus einem bis drei Künstlern, verschiedensten Objekten und unterstreichendem Licht. "Das wichtigste für unsere Kunst sind Beziehungen. Die Beziehung zwischen dem Künstler und einem Objekt und der Beziehung, zwischen dem, was auf der Bühne passiert, und dem Publikum.

Es entsteht eine Art Dreieck

So entsteht eine Art Dreieck, in dem die Gefühle und Geschichten zum Leben erweckt werden", berichtet Tania. "Wie genau das funktioniert, lässt sich nicht beschreiben. Es wird keine Stimmung bewusst erzeugt. Es passiert einfach," ergänzt Charlot. Davon können sich diese Woche auch die Magdeburger überzeugen. Dann wird das Vélot-Theater beim Figurentheaterfestival "Blickwechsel" mit ihrem Stück "Der Frosch am Grunde des Brunnens glaubt, der Himmel sei rund" auf der Puppenbühne zu sehen sein.

Es ist inzwischen das fünfte Mal, dass das Ensemble Magdeburg besucht und obwohl sie bisher noch nicht die Gelegenheit hatten, sich die Stadt in Ruhe anzuschauen, ist ihr erster Eindruck positiv. "Hier ist es so weit. Die Straßen, einfach alles. Hier kann man atmen", findet Tania.