Stendal l Bibliothekar zu sein, ist kein Job, der in die Tiefe geht, dafür aber in die Breite, findet Brigitte Schnellhardt. Die Leiterin der Stendaler Stadtbibliothek St. Anna ist seit 1981 hier tätig und sie liebt ihren Job.

Millionen Leseratten träumen davon, sich fürs Lesen bezahlen zu lassen. Dabei kommt die Diplom-Bibliothekarin den ganzen Tag nicht zum intensiven Lesen. "Aber durch das Einsortieren und katalogisieren der Bücher bekommt man ganz gute Einblicke in die verschiedenen Thematiken und weiß, was gerade diskutiert wird." Sie beackert quasi ein weites Feld.

Und weil es nicht umsonst heißt "Lesen bildet" (auch querlesen) hat Günther Jauch in seiner Sendung "Wer wird Millionär" jüngst erklärt, dass er sich regelmäßig fürchte, wenn er einen Bibliothekar als Kandidaten begrüßen kann.

"Natürlich bekommt man viel mit, wenn man sich durch die Bücher wühlt", erzählt Ronny Heckl. Er ist sozusagen der Quotenmann in der Stendaler Stadtbibliothek. "Unser Beruf wird immer noch von den Frauen dominiert", erzählt Heckl, der 1986 in der Bibliothek angefangen hat.

Insgesamt arbeiten in der Stendaler Stadtbibliothek fünf Mitarbeiter, aber nur Brigitte Schnellhardt und Ronny Heckl sind ausgebildete Bibliothekare. "Die meisten sind Quereinsteiger und sind Buchhändler, Lehrer oder Erzieher", erklärt Schnellhardt. Ein Studium sei für eine Arbeit in der Bibliothek nicht notwendig, "aber wünschenswert", sagt Schnellhardt. Die Liebe zur Literatur hingegen, das sei eine Voraussetzung, ohne die man in einer Bibliothek nicht arbeiten könne, findet Ronny Heckl.

Was macht ein Bibliothekar den ganzen Tag? Brigitte Schnellhardt erzählt, man müsse sich über aktuelle Bücher informieren und dann dafür sorgen, dass sie in der Stendaler Stadtbibliothek vorrätig sind.

Jedes Buch muss katalogisiert werden. Das heißt, es bekommt nicht nur eine Nummer. Auch Titel, Autor, Verlag und Schlagworte, die etwas zum Inhalt aussagen, werden in den Computer eingegeben. Anschließend wird es in eines der Regale einsortiert, so dass es der Nutzer schnell findet. Für Brigitte Schnellhardt kommen als Leiterin noch die Verwaltungsaufgaben und die Abrechnung hinzu.

Den größten Teil der Arbeit in der Bibliothek macht die Ausleihe aus, erklärt Schnellhardt. Hier werden nicht nur Bücher ausgeliehen oder zurückgenommen. In diesem Bereich ist immer ein Mitarbeiter da, den die Leser fragen können und der ihnen bei der Suche nach einem bestimmten Buch helfen kann.

Die Bibliothek in Stendal zählt knapp 4000 Leser zum Kundenstamm. Die meisten sind zwischen 30 bis 60 Jahren alt. "Auch die Kinder bis zur sechsten Klasse kommen oft zu uns", erzählt Schnellhardt. "Danach gibt es einen tiefen Einschnitt, die Lust am Lesen lässt in der Pubertät wohl nach. Ab dem 20. Lebensjahr wird`s dann aber wieder mehr."

Trotz neuer Medien werden hauptsächlich Bücher und Zeitschriften ausgeliehen - vorwiegend aus dem Bereich Belletristik. Die Nachfrage nach Sachbüchern ist allerdings deutlich zurückgegangen - weil man im Internet ja alles viel schneller erklärt bekommt, vermutet Brigitte Schnellhardt.

Während sie sich um den Bereich der Bücher kümmert, hat sich Ronny Heckl den digitalen Medien verschrieben, besonders Kinder würden gerne auf Hörbücher oder Filme zurückgreifen. "Da müssen wir darauf achten, was wir als Ausleihe in die Regale stellen", erklärt Heckl. Nichts Pornografisches, keine Filme ab 18 Jahren, was auch Horrorfilme einschließt.

Auch bei Musik-CDs werden Bands mit diskriminierenden Texten ausgeschlossen, "obwohl gerade Bushido oft nachgefragt wird", erklärt Schnellhardt. "Aber auch die Böhsen Onkelz und Freiwild sind sehr nachgefragt, bei uns aber nicht im Sortiment gelistet", ergänzt Heckl.

Neben der Stadtbibliothek betreuen die Mitarbeiter auch noch drei Schulbibliotheken in Stendal. Den Schülern stehen in den Außenstellen knapp 10000 Medien zur Verfügung.