Magdeburg l Unter schummrigem Laternenlicht spricht sie die Mädchen an. Mara, braune lange Haare, feuerrot ihre Hose, feuerrot ihr Shirt und die schwarze Lederjacke lässig übergestreift. Sie ist der Mephisto in Gestalt einer coolen Schülerin. Was sie verspricht, wozu sie auffordert, ist verlockend. Fünf Freundinnen geben jede für sich der Versuchung nach, um einen Wunsch zu erfüllen - das hat bekanntlich Folgen...

Auf der Bühne des kleinen, intimen Podiums im Magdeburger Opernhaus entfaltet sich ein Stück frei nach Goethes "Faust". Ein Stück, das besonders ist, weil es von den Darstellerinnen selbst entwickelt wurde, als Projekt vom Jugendclub am Theater der Landeshauptstadt.

Ideenreich geben die Mädchen der Handlung Impulse und lassen Bilder mehr sprechen als Worte. Ausgehend von einer heilen Welt gepunkteter Tapetenmuster, gemeinsamer Hausaufgaben, garniert mit ein bisschen Travolta-Tanz-Stimmung gibt es eine düstere Wendung in der Stimmung des Stücks, verbunden mit der Frage danach, wo Freiheit beginnt - und wo sie aufhört.

Schüler und Studenten werden sich in erster Linie von der Inszenierung angesprochen fühlen, weil sie direkt in ihre Lebenswelt führt.

Alle Mädchen auf der Bühne - teils erfahrene Schauspiellaien, teils Bühnenneulinge - sind Magdeburger Schülerinnen: Janna Ilgner als Mara, daneben Emma Kamp, Michelle Sonnenberg, Martina Behnisch, Mathilda Schuster, Thekla Fischer und Laura-Jane Schmengler.

Auch hinter der Bühne werkelten junge Leute. Angeleitet wurden sie von Theaterpädagogin Annette Kuß. Sie betont, dass alle Entscheidungen zur Inszenierung gemeinsam getroffen wurden: Dazu gehört, an die Mädchen keine männlichen Rollen zu vergeben, sondern die Figurenkonstellation stattdessen neu zu erfinden. Eben als Mädchenclique. Das betrifft auch die Liebesszene ohne klassisches Gretchen. Zum Umdichten der Vorlage passt "Auf eigene Faust" auch als Titel des Stücks.